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Weltwirtschaft 2011: Die Erholung geht weiter, nur nicht überall

Die Weltwirtschaft wird den Prognosen des Wirtschaftsinformationsdienstes D&B zufolge 2011 mit 3 Prozent nicht so stark wachsen wie im vergangenen Jahr (2010: 3,5 Prozent). Die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands, der G20 und anderer OECD-Staaten geht dabei stark auseinander.

Nur wenige Länder, wie Deutschland, haben es geschafft, aus der Finanz- und Wirtschaftskrise heraus einen sich selbst tragenden Aufschwung zu erzeugen. Wobei auch hier das Wachstum aus 2010 absehbar nicht erreicht wird. Die Sorgen über die hohe Staatsverschuldung einiger Länder, anhaltende Unsicherheiten auf Finanz- und Devisenmärkten sowie inflationäre Risiken in Asien bremsen die Weltwirtschaft ab. Das trifft vor allem die Staaten, die noch immer mit den Aufbaumaßnahmen nach der Krise beschäftigt sind.

In den USA wuchs zwar die Wirtschaft im 3. Quartal 2010, jedoch weiterhin ungleichmäßig über Branchen und Bundesstaaten verteilt. Das langsame Beschäftigungswachstum und ein maroder Immobilienmarkt deuten auf eine anhaltende Stagnation hin.

In China droht ein inflationärer Schock, verbunden mit dem Risiko eines geringeren Haushaltseinkommens und BIP-Wachstums für die Jahre 2011 und 2012.

In Europa verlangsamte sich das Wachstum im 3. Quartal 2010 leicht, aber zukunftsgerichtete Indikatoren (z.B. Einkaufsmanagerindex) lassen vermuten, dass die Wirtschaft in der Eurozone an Fahrt gewinnt. Länderspezifische Abweichungen aber bleiben bestehen: Deutschland und Frankreich schneiden gut ab, während die Lage in den schuldenbeladenen Ländern der Eurozonen-Peripherie fragil bleibt.

Kernrisiko: Schuldenkrise in der Eurozone bedroht globale Erholung

Im November erhielt Irland ein Darlehen über 85 Mrd. Euro von EU und IWF, um erneuten Spannungen am Finanzmarkt und einem Kollaps irischer Banken entgegenzuwirken. Das stabilisierte sowohl den irischen Haushalt als auch die irische Bankenlandschaft. Ohne die Intervention wäre die Gefahr eines Übergreifens auf weitere europäische Banken noch größer gewesen. Das Darlehen war jedoch nicht genug, um die Sorgen an den Märkten hinsichtlich weiterer überschuldeter Staatshaushalte zu verscheuchen. Vor allem die Staatsanleihen von Portugal, Spanien, Italien und Belgien stehen aktuell unter Druck.

D&B erwartet, dass als Nächstes Portugal im 1. Quartal 2011 Nothilfen aus dem EU-Rettungsfonds (EFSF) beantragen könnte. Das Risiko eines Übergreifens auf Spanien würde sich damit auch erhöhen, vor allem mit Blick auf die gefährdeten spanischen Banken und Kommunen. Wenn dieser Fall eintritt, erscheinen die Werkzeuge des EU-Krisenmanagements zunehmend unzureichend. Der 750 Mrd. schwere Euro-Rettungsfonds und die Entscheidung der EZB, Staatsanleihen zu kaufen, könnten dann nicht mehr ausreichen, um überschuldeten Staaten zu helfen. Daher ist es immer wahrscheinlicher, dass EU und IWF ein neues, größeres Notfallpaket schnüren müssen, um diese Bedrohung zu bekämpfen. Gleichzeitig müssen alle Staaten der Eurozone konsequent daran arbeiten, ihre Haushaltsdefizite abzubauen.

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