Newsticker

EMI: Allzeithoch bei neuen Jobs

Dank gut gefüllter Auftragsbücher und einer schwunghaften Industrieproduktion ist die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Wirtschaft im März 2011 auf ein Allzeithoch gestiegen. Der saisonbereinigte Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) lag im Berichtsmonat mit einem Wert von 60,9 (Februar: 62,7) erneut deutlich über der Referenzlinie von 50. Damit steht das wichtige Konjunkturfrühbarometer seit anderthalb Jahren auf „Wachstum“.

Die Industrieproduktion schwächte sich im März mit einem Wert von 60,9 (Vormonat: 65,3) zwar merklich ab, blieb aber deutlich im Wachstumsbereich. Vor allem im Konsum- und Investitionsgütersektor wurden niedrigere Zuwächse gemessen. Die gestiegenen Produktionsanforderungen führten zu einer regen Einkaufstätigkeit. Außerdem versuchten die Unternehmen, ihre Vormateriallager aufzustocken. Damit wappneten sie sich gegen steigende Preise und Lieferengpässe. Der Höhenflug der Einkaufspreise macht den Firmen weiter zu schaffen (83,4 nach 88,0 im Februar). Die Teuerung wurde von den Industrieunternehmen meistens an die Kunden weitergegeben, so dass die Verkaufspreise (60,5 im März nach 60,2 im Februar) die höchste Zuwachsrate seit Januar 2007 erreichten.

Sowohl Global Player als auch KMU berichteten über einen anhaltenden Strom an Neuaufträgen. Der Teilindex lag mit 62,1 Punkten nur leicht unter dem Februar-Wert von 63,0 Zählern. Vor allem die exportorientierten Unternehmen registrierten ? dank steigender Bedarfe aus China und den USA ? eine sich weiter verbessernde Ordersituation. Die anhaltende Nachfrage nach deutschen Gütern führt nun bereits seit eineinhalb Jahren zu steigenden Auftragsbeständen (60,8 im März, 61,1 im Februar). Die Maßnahmen der Einkaufsmanager, den Druck auf die Produktionskapazitäten zu mildern, lässt die Fertigwarenlager zwangsläufig schrumpfen. Der Teilindex blieb im März zum dritten Mal in Folge unter der Referenzlinie 50 (46,7 im März, 49,0 im Februar).

Die Unternehmen reagierten auf die boomende Konjunkturlage mit einem kräftigen Personalaufbau. Der Teilindex Beschäftigung stellte im März mit 60,9 (Vormonat: 60,4) die jeweiligen Allzeithochs der vergangenen drei Vormonate nochmals ein und kletterte auf den höchsten Stand seit Beginn der EMI-Umfrage im April 1996. Zulauf an neuen Mitarbeitern meldeten alle drei Industriesektoren, wobei die Investitionsgüterindustrie am stärksten zulegte.

Die Auswirkungen der Japan-Krise sind im aktuellen EMI noch nicht umfassend abgebildet. „Wir wissen zwar von Engpässen in der Lieferkette in Branchen wie Automotive und IT, aber nicht alle Unternehmen, die in Japan beschaffen, sind automatisch betroffen“, so Dr. Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME). Größere Sorge bereite den Unternehmen dagegen die anhaltend kräftige Nachfrage nach Rohstoffen. Die zunehmende Knappheit im Markt habe auch im März zu längeren Lieferzeiten geführt (35,8 nach 32,4 im Februar).

„Nach historischen Höchstständen hat der EMI im März eine schwächere Gangart eingelegt. Dies ist jedoch kein Anzeichen für eine Rezession, sondern vielmehr eine Normalisierung am Rande von Überhitzungserscheinungen“, sagte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), dem BME nach einer ersten Bewertung der jüngsten EMI-Zahlen. Nicht nur die längeren Lieferzeiten, sondern auch der starke Anstieg der Einkaufspreise sei für die Unternehmen eine Belastung. So hätten erste Firmen damit begonnen, die hohen Preissteigerungen entlang der Wertschöpfungskette durchzureichen. Traud: ?Deshalb überrascht es nicht, dass die Europäische Zentralbank versucht, diesen Preissteigerungen, wie jüngst geschehen, mit Zinsanhebungen entgegen zu wirken.“

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*