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Ramsauer: Ökologie und Ökonomie müssen Hand in Hand gehen

„Zwischen Ökogewissen und Ökonomiezwang – wie viel Grün kann (sich) die Logistik leisten?“ lautet das Thema der Auftaktveranstaltung der transport logistic am 10. Mai 2011. Bundesverkehrsminister Ramsauer diskutiert mit namhaften Branchenvertretern wie Bahnchef Grube und Lufthansa-Cargo-Chef Garnadt. Vorab äußert sich der Bundesminister im nachfolgenden Interview zu den Herausforderungen der grünen Logistik.

Die transport logistic steht dieses Jahr im Zeichen von „Green Logistics“; welche ökologischen Vorgaben sollen bis wann umgesetzt werden und in welchen Bereichen?

Ramsauer: „Grüne Logistik ist ein wichtiges Thema für den Transportbereich. Ihre Bedeutung nimmt ständig weiter zu. Wir müssen trotz des prognostizierten Wachstums von bis zu 80 Prozent im Güterfernverkehr bis 2050 dem Klima- und Umweltschutz gerecht werden. Denn die Reduzierung der Klimabelastung bietet auch große Effizienzpotenziale für Unternehmen, die zu Kosteneinsparungen beitragen können.

Mit unserem Aktionsplan Güterverkehr und Logistik haben wir ein Strategiepapier, das auf die Vereinbarkeit von Verkehrswachstum mit Umwelt- und Klimaschutz zielt. Wir setzen aber nicht auf Zwangsmaßnahmen, sondern auf das Engagement der Wirtschaft. Viele Unternehmen sind bereits aktiv geworden, nutzen moderne Antriebstechnologien, schulen ihre Fahrer zu einer kraftstoffarmen Fahrweise und setzen neu entwickelte Programme ein, um ihre Routenplanungen zu optimieren.“

Welche Anreize und Rahmenbedingungen schafft Ihr Ministerium für unternehmerischen Umweltschutz und Nachhaltigkeit bei mittelständischen Logistikern?

Ramsauer: „Grüne Logistik heißt für die Bundesregierung, Schnittstellen zu optimieren, das Gesamtnetz effizienter zu gestalten und intermodale Verkehre zu ermöglichen. Zahlreiche Maßnahmen des Aktionsplans Güterverkehr und Logistik leisten hierzu konkrete Beiträge. Wir unterstützen die Entwicklung einheitlicher Standards zur Berechnung von CO2-Emissionen logistischer Dienstleistungen sowie die umweltfreundliche Gestaltung der Lieferverkehre insbesondere auf der ‚letzten Meile‘. Güterverkehrszentren als logistische Knotenpunkte sollen dazu beitragen, Verkehre zu bündeln und Auslieferungsverkehre in den ohnehin besonders belasteten Städte zu reduzieren.

Ein besonderes Augenmerk legen wir auf die Förderung des Kombinierten Verkehrs als intermodalem Transport. Hier tragen die umweltfreundlichen Verkehrsträger Schiene und Wasserstraße zur Verkehrsverlagerung und zu einer Reduktion des CO2-Ausstoßes im Güterverkehr bei. Zusätzlich fördern wir mit einem Innovationsprogramm die Anschaffung emissionsarmer schwerer Nutzfahrzeuge.“

Inwiefern lässt sich Nachhaltigkeit im Flugverkehr umsetzen?

Ramsauer: „Der Luftverkehr wird in den kommenden Jahren gewaltig wachsen. Wir müssen dabei sehr genau auf Aspekte des Umweltschutzes achten. Ökologie und Ökonomie müssen Hand in Hand gehen. Dabei geht es vor allem um saubere und leise Flugzeuge. Die modernen Passagierjets, wie etwa der A 380, verbrauchen pro Passagier nur noch drei Liter Kerosin auf 100 Kilometer. Luftverkehrsunternehmen modernisieren ihre Flotten, lärmarme Triebwerkstechnik wird entwickelt. Nächtliche Starts und Landungen an Flughäfen werden verteuert, Nachtflüge sollen wenn möglich mit den leisesten Flugzeugen durchgeführt werden. Die Deutsche Flugsicherung hat zudem an mehreren deutschen Flughäfen das sogenannte kontinuierliche Sinkflugverfahren eingeführt, wodurch die Lärmbelastung im Landeanflug gesenkt werden kann. Daneben wird auch der Einbau von Schallschutzfenstern weiter verbessert. Natürlich müssen wir auch daran arbeiten, den CO2-Ausstoß reduzieren. Dazu wird die Luftfahrt in den Emissionshandel einbezogen. Und wir werden auf europäischer Ebene den „Single European Sky“ weiter vorantreiben. Der gemeinsame europäische Luftr r Mittelstand das Rückgrat der Logistikwirtschaft. Gerade durch weitere Spezialisierung kann die Unabhängigkeit der Unternehmen gegenüber konjunkturellen Schwankungen weiter gestärkt werden. Der Aufschwung kann genutzt werden, um neue Kunden in neuen Märkten zu gewinnen. Die Messe ist eines der attraktivsten Schaufenster und bietet für die Besucher eine ausgezeichnete Plattform. Sie zeigt den Güterverkehr in all seiner Vielfalt und vermittelt einen Überblick über neue Entwicklungen. Der große Anteil ausländischer Aussteller ermöglicht es gerade für mittelständische Unternehmen, neue Kontakte zu knüpfen und so neue Märkte für sich zu erschließen.“

Das Interview führte Anja Behringer.

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