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Rüdinger hält am Lang-Lkw fest

Für den Lang-Lkw, der über 50 Prozent mehr Ladekapazität verfügt, hätte die Spedition Rüdinger gute Verwendung. Nachdem die neue grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg den Modellversuch mit bundesweit maximal 400 Lang-Lkw aber ablehnt, droht das Projekt zu scheitern.

„Der neuen Landesregierung sind Ideologien offenbar wichtiger als Fakten“, schimpft Roland Rüdinger. Der Krautheimer Spediteur, Mitglied im DIHK-Verkehrsausschuss und Leiter der Fachsparte Landverkehr im baden-württembergischen Speditionsverband mit 500 Mitgliedern, will ab Sommer selbst mit drei Lang-Lkws am Modellversuch der schwarz-gelben Bundesregierung teilnehmen. Der Grund: Statt drei müsste er dann jede Nacht nur zwei Lastzüge zum Sammelguthub nach Fulda schicken. Das würde neben einem Fahrer 120 Liter Diesel pro Tag sparen und die CO2-Emmissionen um ein Drittel senken.

Nachdem nun aber Baden-Württembergs künftiger grüner Verkehrsminister Wilfried Hermann angekündigt hat, der Südwesten werde aus dem Modellversuch aussteigen, stehen nur noch Bayern, Thüringen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen und Hamburg hinter der Initiative von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Hermann argumentiert, den Verkehr von der Straße auf die Schiene bringen zu wollen. Und nachdem auch NRW nicht mehr mitmache, sei die Nord-Süd-Achse ohnehin unterbrochen.

„Die Entscheidung der neuen Landesregierung ist populistisch und zeugt von wenig Fachkompetenz im Verkehrswesen“, kritisiert Rüdinger, der dieses Jahr mit 150 Lkw 25 Millionen Euro Umsatz einfährt. Seine Begründung: Die Bahn, die am Kernkraftwerk Neckarwestheim beteiligt ist, fahre zur Hälfte mit Atomstrom, den die Grünen offiziell verdammen. Den ländlichen Raum, in dem viele Weltmarktführer produzieren, bediene die Schiene gar nicht. Und: Der um 6,5 Meter längere Lkw spare ein Drittel an CO2-Emmissionen ein.

Sieben Jahre sei das Thema diskutiert worden. In Skandinavien und Holland seien die 25,25 Meter langen Lastzüge sogar mit 60 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht längst Realität. In Deutschland werde dagegen mit 44 Tonnen der bisherige Standard eingehalten und mit mehr gelenkten Achsen passiere der Lang-Lkw auch Kreisverkehre mühelos. Weil es sich bei dem Modellversuch um ein Bundesprojekt handelt, dürften die Fahrzeuge mit vier Tonnen mehr Eigengewicht ohnehin sämtliche Bundesautobahnen auch im Südwesten und in NRW benutzen, kontert Rüdinger Hermanns Argumentation. Lediglich für Kreis- und Landesstraßen brauche es die jeweilige Erlaubnis.

Andrea Marongiu, Geschäftsführer des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL), ergänzt, Lang-Lkw kämen nur für Strecken in Frage, auf denen kontinuierlich relativ leichte Ware in großen Mengen gefahren wird. Rüdinger hat deshalb auch nur drei Fahrzeuge für den Großversuch beantragt. Die Fahrzeugtechnik würde Mercedes binnen drei Monaten liefern: Einen Motorwagen mit sieben Metern Ladefläche und einem zweiachsigen Dolly mit einer Deichsel und einer Sattelplatte, an der wiederum ein 13,6 Meter langer Sattelauflieger befestigt ist. Und für die Sicherheit sorgen jede Menge Assistenzsysteme rund um das überlange Fahrzeug. Vereinzelt waren Lang-Lkw bis 2010 bundesweit zu Versuchszwecken im Einsatz.

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