Newsticker

EMI: Deutsche Industrie feiert etwas leiser

Nach den außergewöhnlich hohen Vorgaben der vergangenen Monate ist die Wachstumsrate in der Industrie im Mai wieder auf ein normales Niveau zurückgekehrt. Der saisonbereinigte Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) sackte binnen vier Wochen um 4,3 Punkte ab und lag bei 57,7 (62,0) Zählern. Das ist der niedrigste Wert seit November 2010 (58,1). Dennoch hält sich der wichtige Konjunktur-Frühindikator nun schon seit fast zwei Jahren über der Marke von 50 Punkten. Ab dieser Schwelle wird Wachstum signalisiert.

„Die boomende Wirtschaft beflügelt auch den Beschaffungssektor. Sorgen bereiten unseren Einkäufern allerdings die steigenden Preise für Energie und Rohstoffe. Sie werden zum Konjunkturrisiko Nummer eins“, betonte Dr. Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Freitag in Frankfurt. Positiv sei dagegen, dass die deutschen Unternehmen bisher von den Auswirkungen der Japan-Krise kaum betroffen sind. Ausnahmen bildeten lediglich die Branchen Elektrotechnik/Elektronik und Automotive.

„Erfreulicherweise hat der EMI im Mai an Schwung verloren. Nach einem fulminanten Anstieg bis in den Bereich der Überhitzung zeichnet sich nun endlich eine Normalisierung ab“, sagte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), am Freitag dem BME nach einer ersten Bewertung der jüngsten EMI-Zahlen. Dass das Wachstum noch hoch genug sei, um fortgesetzt Arbeitsplätze zu schaffen, illustriere die Beschäftigungskomponente des EMI. Traud: „Auch wenn die Einkaufspreise hoch blieben, zeichnet sich zum Glück endlich eine Entspannung an der Preisfront ab. Dies wird den Druck auf die EZB reduzieren, so dass der Zinserhöhungszyklus voraussichtlich geringer ausfallen dürfte, als derzeit von den Märkten erwartet. „

Seit fast zwei Jahren melden die deutschen Industrieunternehmen ein ununterbrochenes Produktionswachstum. Wenngleich die Rate auch im Berichtsmonat deutlich über dem Langzeitdurchschnitt lag (59,0 nach 63,7 im April), signalisierte sie die schwächste Verbesserung seit November 2010 (58,7). Besonders die Konsumgüterindustrie registrierte die geringste Steigerung; am besten schnitten hingegen die Hersteller von Investitionsgütern ab. Der Auftragseingang blieb sowohl bei Global Playern als auch bei KMU weiterhin kräftig (55,9 nach 61,0 im April). Allerdings schwächte sich auch hier die Nachfrage wie in den beiden Vormonaten ab und fiel auf den niedrigsten Wert seit September 2010 (53,1). Teilweise wurden dabei die angehobenen Verkaufspreise für Kundenverluste verantwortlich gemacht. Das Interesse der Exportmärkte ließ saldiert ebenfalls nach, und war mit 54,5 (April: 58,8) der niedrigste Wert seit sechs Monaten. Dafür hielt der Bedarf der Schwellenländer an Produkten „Made in Germany“ weiter an.

Der Beschäftigungsaufbau verlief auch im Berichtsmonat dynamisch (59,0 nach 60,0 im April) und verringerte sich vom Rekordhoch im März (60,9) nur geringfügig. Dabei stand ein deutlicher Personalzuwachs bei der Vorleistungs- und Investitionsgüterindustrie im Gegensatz zur Stagnation bei den Konsumgüterherstellern. Die Einkaufspreise ermäßigten sich zwar im Mai auf 70,5 nach 80,3 im Vormonat, bewegen sich dennoch aber weiter auf hohem Niveau. Die Unternehmen klagen über steigende Ausgaben für Energie und Rohstoffe sowie über Lieferschwierigkeiten. Insgesamt schwächte sich die Inflationsrate jedoch deutlich ab und lag auf dem niedrigsten Wert seit sechs Monaten. Die geringfügige Entlastung an der Preisfront führte zu einem etwas nachlassenden Druck auf die Verkaufspreise, so dass sich auch dieser Index (58,5) von seinem Rekordhoch im April (62,1) entfernte. Die aktuelle Geschäftslage veranlasste die Einkaufsmanager, ihr Sourcing entsprechend anzupassen. Dabei verlängerten sich die Lieferzeiten im Mai erneut gravierend. Eine der Ursachen waren die Folgen des

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*