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Faktenlage versus Gefühlslage?

Fragt Prof. Dr.-Ing. Raimund Klinkner, Vorsitzender des Vorstands, Bundesvereinigung Logistik in seinem Kommentar zum Logistik-Indikator für das dritte Quartal 2011.

Faktisch stehen alle betriebswirtschaftlichen Indikatoren, die zur Ermittlung des Logistikindikators erhoben werden, deutlich im expansiven Bereich. Supply Chain Manager aus Industrie und Handel heben besonders die Verfügbarkeit und die Auslastung von Kapazitäten hervor, loben Nachfrage und relative Preisentwicklung.

Es wird Personal eingestellt und investiert. Die Logistikdienstleister sind mit der Kapazitätsauslastung zufrieden, ebenso mit der Geschäfts- und Auftragslage. Die Auftragseingänge aus dem In- und Ausland sind gestiegen, wenn auch weniger stark als im Vorquartal.

Nun spielen neben Fakten aber auch Emotionen eine große Rolle: Auffällig ist, dass die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate bei Industrie und Handel schon seit einem Jahr verhaltener angegeben werden als die Lage. Gegenüber dem letzten Quartal knickt der Wert wahrnehmbar ein. Zusätzlich fallen die Erwartungen auch bei den Logistikdienstleistern hinter die Lageeinschätzung zurück. Sind dies Frühindikatoren für eine Trendwende? Oder gar eine sich selbst erfüllende Prophezeiung? Zumindest sind gefühlte Unsicherheiten geeignet, faktische Volatilität zu erzeugen.

Dass sich in einem Umfeld finanzpolitischer Probleme und bei Turbulenzen an den Aktienmärkten die Erwartungen eintrüben, ist verständlich. An der soliden Verfassung des Wirtschaftsbereichs Logistik in Deutschland hat sich jedoch nichts geändert: Der Gesamtindex liegt mit 146 Punkten deutlich im expansiven Bereich oberhalb der neutralen Linie von 100 Indexpunkten und hat gerade einmal zehn Punkte gegenüber dem zweiten Quartal nachgegeben. Die Logistik in Deutschland erfreute sich ein knappes Jahr lang einer besonders positiven Konjunktur. Diese ist nicht gebrochen, aber sie erfordert jetzt besonders sensibles Agieren.

Robuste und flexible Lieferketten sowie Wachsamkeit gegenüber den globalen Entwicklungen sind die richtigen Werkzeuge. Darüber werden rund 3.500 Fach- und Führungskräfte aus über 40 Nationen beim bevorstehenden 28. Deutschen Logistik-Kongress vom 19. bis 21. Oktober 2011 in Berlin intensiv diskutieren. Das von der Bundesvereinigung Logistik bereits vor Jahresbeginn gewählte Kongressmotto „flexibel, sicher, nachhaltig“ bekommt in diesem Zusammenhang beinahe prophetische Züge.

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