Newsticker

Wahrnehmung des Short-Sea-Verkehrs wächst

Mit rund 60 Prozent Anteil am Gesamtumschlag in den deutschen Seehäfen ist der Kurzstreckenseeverkehr (KSSV) schon heute von großer Bedeutung. Dabei sind die Potenziale des nachhaltigen Verkehrsträgers bei Weitem nicht ausgeschöpft.

Zu dieser Einschätzung gelangten die Referenten bei dem Jahres-Pressegespräch des ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center (SPC) am Montag in Hamburg. SPC-Geschäftsführer Markus Nölke erklärte: „Die freien Kapazitäten müssen bei der Transportgestaltung stärker berücksichtigt werden. Dies gilt insbesondere angesichts des prognostizierten starken Anstiegs des Güteraufkommens in den kommenden Jahren, aktueller Engpässe in der vorhanden europäischen Verkehrsinfrastruktur und zunehmender Betrachtung von Umweltaspekten.“

Der tägliche Kontakt mit den an der Transportkette Beteiligten zeige ihm, dass die Möglichkeit der Verkehrsverlagerung bei den Entscheidern oftmals nicht ausreichend bekannt sei. Gleichwohl ist aus seiner Sicht ein deutlich positiver Trend in der Wahrnehmung und Stärkung der Position des Kurzstreckenseeverkehrs gleich in mehrfacher Hinsicht erkennbar. So gibt es sehr vielversprechende Gespräche mit Vertetern der EU, das European Shortsea Network (ESN), in dem 22 nationale Short-Sea-Informationsbüros zusammengeschlossen sind, mit einem eigenen Budget für gemeinsame Maßnahmen auszustatten. Dort ist auch das vom Bundesverkehrsministerium unterstützte SPC vertreten.

SPC begrüßt Binnenmarkt im KSSV

Gestärkt fühlt Nölke die Position des KSSV auch durch das aktuelle Bekenntnis der EU-Politiker zugunsten eines gemeinsamen EU-Binnenmarkts im Seeverkehr zwischen den EU- Häfen. Denn im Gegensatz zum Landverkehr sind derzeit im europäischen Kurzstreckenseeverkehr noch aufwändige Zoll- und Grenzformalitäten erforderlich.

Torsten Westphal, stellvertretender Vorsitzender des SPC und geschäftsführender Gesellschafter der ARKON Shipping GmbH & Co.KG, bestätigte den positiven Effekt aus unternehmerischer Sicht: „Gerade die Zollkosten stellen bisher eine Wettbewerbsverzerrung zu den konkurrierenden Verkehrsträgern Bahn und Lkw dar, die innerhalb Europas schon seit Jahren grenzenlos unterwegs sind. Wenn diese Kosten, der Verwaltungsaufwand und die damit verbundene Papierflut entfallen, ist ein erster Schritt in Richtung des fairen Wettbewerbs getan.“

Eine Herausforderung sieht Westphal in der alternden Short-Sea-Flotte, die nicht auf die neuen Umweltauflagen ausgelegt sei. Doch der Spielraum für Schiffsfinanzierungen des maritimen Mittelstandes sei als Folge der Finanzkrise stark eingeschränkt. Er plädierte für einen Schulterschluss zwischen Finanzwirtschaft, Politik und Reedern. „Es ist an ihnen, gemeinsame Lösungswege auszuloten, wie ein Aufschub der stark reduzierten Tilgungsfristen möglich ist.“

Reederei-Kooperationen machen KSSV zukunftsfähig

Mittelfristig seien Strukturveränderungen in der Branche erforderlich, um die Zukunftsfähigkeit der KSSV-Reeder zu sichern. „Der Short-Sea-Verkehr braucht operative Kooperationen nach dem Vorbild der Stückgutverbunde im Lkw-Verkehr. Auch dort halfen Netzwerke dem unwirtschaftlich gewordenen Geschäft aus der Sackgasse.“ Als Beispiele führte er die beiden Genossenschaften der European Minibulk eG sowie der Container Feeder eG mit über 300 vertretenen Schiffen an. In der nächsten Stufe erwartet Westphal ein Verschmelzungs- und Fusionstrend von klein- und mittelständischen Reedereien.

Die zentrale Bedeutung des umweltfreundlichen Ro/Ro-Segements im Short-Sea-Verkehr für den innereuropäischen Warenaustausch und Personenverkehr hob Hanns Heinrich Conzen, Geschäftsführer TT-Line GmbH & Co.KG, hervor. Als Marktführer im Direktverkehr mit Schweden beobachtet Conzen, dass in vielen Fahrtgebieten das Vorkrisenniveau schon fast wieder erreicht ist. Dieses lag 2007, im Jahr vor der Krise, bei 765 Mio. beförderten Passagieren, 138 Mio.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*