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Trübe Aussichten in der Tank- und Chemieschifffahrt

Knapp 50 Mio. Tonnen Güter wurden im Jahr 2011 mit Tankschiffen auf deutschen Flüssen und Kanälen transportiert, vornehmlich Kraftstoffe, Gas-, Diesel-, Heizölprodukte sowie sonstige Mineralölerzeugnisse und chemische Produkte. Die Tank- und Chemieschifffahrtsunternehmen in Europa befinden sich jedoch derzeit in ihrer schwersten Krise seit Existenz der Branche. So lautet kurz gefasst die Beschreibung der gegenwärtigen Marktsituation, die Dr. Gunther Jaegers (Reederei Jaegers GmbH, Duisburg) in der jährlichen Tankreederversammlung im „Haus Rhein“ präsentierte.

Während die Eigner von häufig bereits abbezahltem Einhüllenschiffsraum „gerade so“ über die Runden kommen, sorgen die extrem niedrigen Frachtraten in Kombination mit den enorm angestiegenen Treibstoffkosten dafür, dass ein wirtschaftlich auskömmlicher Betrieb eines Doppelhüllentankschiffes derzeit nicht möglich ist. „Die Unternehmer, die die Investition in diesen modernen Schiffsraum getätigt haben, leben von der Substanz und haben zum Teil gewaltige Probleme, ihren Kapitaldienst zu leisten“, erklärte BDB-Vizepräsident Dr. Jaegers den Anwesenden.

Ursächlich für diese Marktsituation ist der Neubau-Boom an Doppelhüllenschiffen in den letzten Jahren, da spätestens Ende 2018 nahezu sämtliche im Gefahrgutregelwerk ADN genannten Produkte ab diesem Zeitpunkt europaweit nur noch in Doppelhüllenschiffen transportiert werden dürfen. Das Problem sei, so Dr. Jaegers, dass bis zu diesem Zeitpunkt viele der alten Einhüllenschiffe im Rahmen von Übergangsbestimmungen im Markt verbleiben. Dies sei grundsätzlich keine überraschende Entwicklung.

„Ich hatte bereits im Jahr 2006 die Sorge, dass Eigner von Einhüllenschiffen bis zum Auslaufen der Übergangsbestimmungen des ADN ihr Schiff in der Fahrt halten. Ich habe deshalb bereits damals vor den drohenden erheblichen Verwerfungen in der Branche gewarnt und im europäischen Binnentankschifffahrtsgewerbe für eine Art Prämie für das Austauschen des Einhüllenschiffsraums geworben. Dies hätte aus den Geldern des Gewerbes im europäischen Reservefonds, immerhin rund 20 Mio. Euro, finanziert werden können. Leider ist dies seinerzeit am Widerstand niederländischer Vertreter gescheitert, die vornehmlich die Interessen der bereits bestehenden Doppelhüllenschiffe im Visier hatten“, erklärt Dr. Jaegers.

Die Marktsituation hat nun auch einen dramatischen Werteverfall beim Doppelhüllenschiffsraum zur Folge: „Ein 110-Meter-Schiff, das in Boom-Zeiten für deutlich über 6 Mio. Euro angeschafft wurde, kann heute für weniger als 4 Mio. Euro erworben werden“, so Dr. Jaegers. Nach Einschätzung des Vorsitzenden der Tankreederversammlung verfügt der Markt über rund 30 Prozent mehr Kapazität, als derzeit benötigt wird; Einhüllenschiffsraum macht in Europa noch rund 32 Prozent der Flotte aus. Ob der europäische Markt insgesamt nach Auslaufen der Übergangsbestimmungen des ADN, also ab Anfang 2019, über ausreichenden Doppelhüllenschiffsraum verfügt, lässt sich derzeit nicht prognostizieren. Keine verlässliche Aussage lässt sich zudem zur Zahl der drohenden Insolvenzen aufgrund dieser historisch schlechten Marktsituation treffen. „Rund 80 Prozent der Flotte befindet sich in der Hand von Einzelunternehmern, den sog. Partikulieren, die an Bord ihres Schiffes ihr Geld verdienen. Hier sind Insolvenzen wohl unvermeidbar.“, so Dr. Gunther Jaegers.

Einen kleinen Silberstreif am Horizont stellt für die Branche das Auslaufen der Übergangsbestimmungen des ADN dar: Ab Ende des Jahres 2018 sind der Einhüllenschiffsraum und vermutlich einige Marktteilnehmer vom Markt verschwunden. Es gleicht allerdings einem Galgenhumor, dass ausgerechnet diese Perspektive für die Europäische Kommission Anfang des Jahres 2012 der Grund war, erhebliche Zweifel an einer „schweren Marktstörung“ im Sinne der einschlägigen e

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