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Magen-Darm-Erkrankung: Gibt es nicht erkannte Kontaminationsquellen in der Transportkette?

„Die mysteriöse Magen-Darm-Erkrankung, bei der nach Informationen des Hamburger Abendblatt vom 29.9.2012 bisher mindestens 6.500 Menschen, überwiegend Kinder erkrankt sind, verläuft bei der Ursachenforschung nach dem klassischen Strickmuster“, so Hans-Dieter Philipowski, Präsident des Verbandes Enfit. „Das enorme Risiko, das in der Transportkette von Lebensmitteln, bzw. bei der oft völlig unzureichenden Reinigung von Lebensmitteltransportbehältern, in denen Halb-, Fertigwaren oder Rohstoffe transportiert werden als tickende Zeitbombe schlummert, wird häufig völlig unterschätzt“, kritisiert Philipowski.

Das Robert Koch Institut hat am Wochenende herausgefunden, dass zumindest in einigen Fällen die Verbreitung mit dem hochansteckenden Noro-Virus und anderen Bakterien über das Kantinenessen wahrscheinlich ist. Um welche weiteren Bakterien es sich handelt und wie die Übertragungswege verlaufen sind, ist bisher noch nicht eindeutig belegt.

„Wir geben dringend zu bedenken“, so Philipowski, „dass bei der Ursachenforschung oftmals der Transportweg, bzw. die Qualität gereinigter Lebensmitteltransportbehälter, unberücksichtigt bleibt. Wir meinen damit nicht allein den Transport der Fertiggerichte von der Großküche zu den Endverbrauchern, sondern primär den Transport von Roh-, Halb- und Fertigwaren zu den Herstellern von Fertiggerichten. Es ist üblich, dass z.B. Mayonnaisen, Ketchup, Gewürzmischungen, Saucen und andere Zuschlagstoffe in speziellen Edelstahl-Transportbehältern von den Lebensmittelproduzenten zu den Großküchen transportiert werden. Das Gleiche gilt auch beim Transport größerer Lebensmittelmengen, wie z.B. Mehl, Schokoladen, Öle, Fette oder Flüssig-Ei, die in Tank- und Silofahrzeugen zwischen Lebensmittelproduzenten und weiterverarbeitender Industrie transportiert werden. Hier gab es in der jüngsten Vergangenheit mehrfach Probleme mit Schimmelpilzen und Mykotoxinen bei Mehltransporten, Verunreinigungen mit quaternären Ammoniumverbindungen, Dioxin und anderen Kreuzkontaminationen“.

„Eigentlich müsste das ausgeschlossen sein“, so Philipowski. „Denn nach der ‚Guidline Food‘ unseres Verbandes, die bereits im Jahre 2008 von einem Expertenteam zur hygienisch einwandfreien Reinigung von Lebensmitteltransportbehältern erarbeitet wurde, liegen die realen Kosten für eine hygienisch einwandfreie und klar definierte Behälterreinigung bei etwa 200 ? 350 ?. Der derzeitige Marktpreis für die Reinigung eines kompletten Tanklastzugs beträgt lediglich 50-100 ?. Diese enorme Kostenreduktion ist nur dann machbar, wenn von den definierten Vorgaben für eine hygienische einwandfreie Reinigung erheblich abgewichen wird. Logistiker und Reinigungsanlagenbetreiber haben dabei das Nachsehen. Denn die Logistik und Reinigungsbranche kann nur wettbewerbsfähig sein, wenn sie Transport und Reinigung möglichst billig anbieten. Die Logistikverantwortlichen der Industrie machen es sich oftmals recht einfach. Ein entsprechendes Reinigungs-Zertifikat, das nichts über die Reinigungsqualität aussagt, einen möglichst niedrigen Transportpreis – und der Billigste erhält den Auftrag. Leider wird auf die Qualitätsmanager der Lebensmittelindustrie wenig gehört, denn die sind nicht die Entscheider bei der Frachtvergabe.

„Qualität gibt es nicht zum ‚Nulltarif‘, sondern hier muss die Industrie umdenken. Die deutsche Fruchtsaftindustrie hat die Risiken beim Transport längst erkannt und fordert seit einiger Zeit von Logistiker und Reinigungsanlagen die Einhaltung einer klar definierten Reinigungsprozedur mit anschließender und reproduzierbarer Qualitätskontrolle. Das ist vorbildlich und ein nachahmenswertes Beispiel, wie eine Spezialbranche die Probleme effektiv löst“, betont Philipowski.

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