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Infrastruktur Brasilien: Investitionen sind Tropfen auf den heißen Stein

Die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und der zwei Jahre später stattfindenden Olympischen Sommerspiele an Brasilien haben einen Investitionsschub in die Infrastruktur des Landes ausgelöst. Um für den Ansturm von Athleten, Sportbegeisterten und Touristen aus aller Welt gewappnet zu sein, investiert die mittlerweile sechstgrößte Volkwirtschaft der Welt enorme Summen in den Ausbau der lange vernachlässigten Transport- und Verkehrswege.

Vielen Logistikexperten gehen die unternommenen Anstrengungen aber nicht weit genug, um die Defizite der Infrastruktur langfristig zu beheben und die Grundlage für eine effiziente Logistik zu bereiten. Dennoch hoffen viele deutsche Unternehmen, von einer besser ausgebauten brasilianischen Infrastruktur und den sportlichen Großereignissen zu profitieren. Zum Deutschlandjahr, das in diesem Frühjahr in Brasilien beginnt, rückt auch die Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V. Deutschlands wichtigsten Handelspartner in Südamerika in den Fokus.

Kurzfristige Milderung infrastruktureller Mängel

Brasilien hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wirtschaftlichen Schwergewicht entwickelt. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 2,5 Billionen US-Dollar liegt der südamerikanische Staat mittlerweile vor großen europäischen Ländern wie Großbritannien. Ein stabiler Finanzsektor, die den Binnenkonsum ankurbelnde wachsende Mittelschicht sowie signifikante Devisenreserven bilden die Grundlage des brasilianischen Wirtschaftswachstums. Fußball-WM und Olympia bringen nun einen Investitionsschub in die Infrastruktur des Landes mit sich, denn Flughäfen, Straßen, Stadien und deren Anschlüsse müssen vorbereitet werden. Dafür sind zahlreiche Projekte vorgesehen oder werden schon realisiert, wodurch sich die angespannten Verkehrszustände in den Metropolen des Landes durch den Ausbau von Verkehrswegen und des Öffentlichen Personennahverkehrs zumindest zum Teil lösen werden.

Prof. Thomas Wimmer, Vorsitzender der Geschäftsführung der BVL, sieht Brasilien im Ansatz auf dem richtigen Weg: „Wichtig ist zunächst, dass die Bedeutung der Verkehrs- und Transportwege erkannt und überfällige Projekte durch staatliche Wachstumsprogramme und die Sportereignisse der kommenden Jahre angestoßen wurden. Davon wird der Wirtschaftsbereich Logistik profitieren. Auf den bestehenden Programmen lässt sich für die Zukunft aufbauen.“

Viele Logistikexperten bewerten die getätigten Investitionen trotz aller Bemühungen noch nicht als ausreichend, um nachhaltig für Besserung zu sorgen: „Die vorgesehenen Infrastrukturmaßnahmen bleiben ein Tropfen auf den heißen Stein“, beschreibt Stephan Grüner, Sprecher des BVL-Chapters (Regionalgruppe) São Paulo und Geschäftsführer von BMS Logística, die zwiespältige Situation. „Um für den Großteil der Bevölkerung spürbare Verbesserungen zu erzielen, werden die vorgesehenen Maßnahmen nicht ausreichen.“

Nachholbedarf auf allen Transport- und Verkehrswegen

Lange Zeit vernachlässigte Investitionen im Transportsektor bremsen das Land abseits von Fußball und Olympia in seiner wirtschaftlichen Entwicklung, wodurch großes wirtschaftliches Potenzial verschenkt wird. Probleme bereitet dem Land seine große Abhängigkeit vom Straßennetz, das sich mit wenigen Ausnahmen in schlechtem Zustand befindet. Viele Häfen sind unzureichend an das Hinterland angebunden und arbeiten an der Kapazitätsgrenze. Der Lufttransport spielte in Brasilien lange Zeit nur eine untergeordnete Rolle, was vor allem auf die hohen Standzeiten der Frachtmaschinen und auf inneffizientes Flughafenmanagement zurückzuführen ist. Der Warentransport vollzieht sich daher langsam und im Vergleich zu anderen Schwellenländern vergleichsweise kostenintensiv.

Auch Frank Baur, stellvertretender Sprecher des BVL-Chapters São Paulo und Abteilungsleiter Bedarfsplanung und Logistik für Lateinamerika bei der Robert Bosch Ltda. im Geschäftsbereich Aut

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