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Kombiverkehr legt 2013 wieder zu

Kombiverkehr legt nach dem branchenweiten Verkehrsrückgang 2012 in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres im Verkehrsaufkommen wieder zu. „Die Nachfrage steigt permanent, wir haben unser Zugangebot erweitert und konnten die Zahl der Sendungen pro Verkehrstag bis einschließlich Mai dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahrszeitraum um 3,1 Prozent steigern.“ Das teilte Geschäftsführer Robert Breuhahn während der Vorstellung des Jahresergebnisses auf der Gesellschafterversammlung des Unternehmens am 25. Juni 2013 in Frankfurt mit.

Ob dieses Wachstumstempo im gesamten Jahr gehalten werden könne, sei derzeit noch nicht abzusehen. „Im Juni zum Beispiel ist unsere wichtigste internationale Verbindung über den Brenner wegen des Hochwassers erneut mehrere Tage ausgefallen, außerdem haben wir vor allem in Ostdeutschland erheblich unter dem Hochwasser zu leiden. Neben solchen Ausfällen hängt die Gesamtjahresprognose maßgeblich von der Entwicklung in den Euro-Krisenländern ab, wo die Konjunktur nach wie vor sehr schwankt.“

Im Jahr 2012 verzeichnete Kombiverkehr in einem insgesamt rückläufigen Transportmarkt auf der Schiene laut Breuhahn „einen moderaten Rückgang“ der Sendungsmenge von 4,7 Prozent auf 927.212 Lkw-Sendungen. Dabei ist die Zahl der nationalen Sendungen in Deutschland mit 3,7 Prozent (auf 219.707) deutlich weniger gesunken als die Zahl der internationalen Sendungen mit 5,0 Prozent (auf 707.505). Der Umsatz reduzierte sich um 5,5 Millionen auf 424,5 Millionen Euro. Damit habe sich das Unternehmen 2012 erneut besser entwickelt als der Wettbewerb im Kombinierten Verkehr (KV). „Deshalb können wir stolz sein auf die Leistung unserer Mitarbeiter, die es auch 2012 geschafft haben, unseren Marktvorsprung weiter auszubauen. Trotzdem sind wir mit diesem Rückgang nach zwei Wachstumsjahren in Folge nicht zufrieden.“ Breuhahn nannte zwei Gründe dafür: „Erstens sollen und wollen wir wachsen, weil Europa die wirtschaftliche und umweltfreundliche Alternative des intermodalen Verkehrs braucht. Zweitens wäre ohne die erheblichen Infrastruktur-Engpässe, vor allem durch die Sperren an Brenner und Gotthard, trotz der volatilen Wirtschaftsentwicklung ein Zuwachs möglich gewesen.“

Einen bedeutenden Beitrag zum Klima- und Umweltschutz hat Kombiverkehr dennoch 2012 erneut geleistet. Denn im Vergleich zum durchgehenden Straßenverkehr erspart ein Transport im KV der Umwelt nach den Erhebungen des Heidelberger IFEU-Instituts den Ausstoß von 57 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Tonnenkilometer. Bei einer Transportleistung von 17,55 Milliarden Tonnenkilometern senkte Kombiverkehr 2012 die transportbedingte Klimabelastung um eine Million Tonnen CO2.

Italien bremste, Polen und Frankreich legten stark zu

Auf den einzelnen internationalen Transportachsen war die Entwicklung 2012 überaus verschieden. Die Spannbreite reicht von überproportionalen Rückgängen in den alpenquerenden Korridoren durch Österreich und die Schweiz von 5,3 und 12,2 Prozent bis zu Zuwachsraten von 41,9 Prozent im Verkehr mit Polen oder fast 50 Prozent mit Frankreich. Dabei wurde die Situation im alpenquerenden Verkehr maßgeblich von bisher nie dagewesenen Infrastruktur-Engpässen behindert. So gab es über Monate hinweg auf der Brenner- und Lötschbergachse Teil- und Vollsperrungen, weil Tunnel und Gleise saniert werden mussten. Zusätzlich musste die Gotthardstrecke dreimal wegen Felsstürzen gesperrt werden. Da die Verkehre durch Österreich und die Schweiz etwa 40 Prozent zum Gesamtaufkommen von Kombiverkehr beitragen, schlagen Sendungsverluste auf diesem Korridor erheblich auf die Gesamtbilanz durch.

Dass es trotz dieser deutlichen Behinderungen insgesamt zu einem vergleichsweise geringen Rückgang kam, ist laut Breuhahns Geschäftsführungskollege Armin Riedl auf zwei Entwicklungen zurückzuführen: 1. Zeit- und kostenintensive Vorbereitung auf die geplanten Brennersperren sowie aufwändige Verkehrssteuerung während der gesamten Bauzeit. „Die Zusatzkosten der 300 Kilometer längeren Umleitung haben weder Kombiverkehr noch die Eisenbahnverkehrsunternehmen wie die Deutsche Bahn, Lokomotion oder RTC an die Kunden weitergegeben. Dadurch und durch die hohe Qualität auf der eigentlich weniger leistungsfähigen Strecke konnte eine dauerhafte Abwanderung von Verkehren auf die Straße verhindert werden.“ 2. Weil Kombiverkehr das größte europäische Netzwerk für KV betreibt, das sich nicht nur auf einzelne Achsen konzentriert, sondern den Kunden eine breite Angebotspalette in nahezu ganz Europa bietet, ist die Abhängigkeit von einzelnen Relationen geringer geworden. So konnte der Rückgang auf den wichtigsten Verbindungen durch Wachstum auf anderen Relationen gemildert werden.

Ein Beispiel dafür ist der um insgesamt 5,9 Prozent auf 117.604 Sendungen gestiegene Verkehr zwischen Deutschland und den west- und südwesteuropäischen Ländern. Nennenswerten Anteil daran hatten die Transporte zwischen Deutschland und den Niederlanden, die im siebten Jahr in Folge einen Mengenzuwachs erzielten. 2012 betrug der Anstieg 7,5 Prozent auf 62.168 Sendungen.

Trotz der nach wie vor unsicheren konjunkturellen Entwicklung stehen zahlreiche Signale für die Entwicklung von Kombiverkehr im laufenden Jahr auf Grün. So konnte die Auslastung der in der zweiten Jahreshälfte 2012 eingeführten neuen Züge dank einer erhöhten Nachfrage in diesem Jahr gesteigert werden. „Darüber hinaus haben wir unser Netz im ersten Halbjahr 2013 nochmals um 30 Zugabfahrten pro Woche erweitert“, so Breuhahn. Zwischen den Wirtschaftsregionen Rhein-Ruhr sowie Hamburg-Lübeck wurde ein neues Zugkonzept mit Anbindung an Nordeuropa umgesetzt. Es erhöht nicht nur die Kapazität auf dieser Strecke, sondern verkürzt die Umsteigezeiten auf andere nationale und internationale Züge. Zwischen Duisburg und Hamburg gibt es fünfmal die Woche eine zweite tägliche Abfahrt und die Verbindung Köln – Lübeck wird wieder an fünf Tagen die Woche in beiden Richtungen bedient. International verbindet ein neuer Direktzug fünfmal wöchentlich Neuss und Budapest in beiden Richtungen. Fünf statt drei Züge pro Woche fahren zwischen Duisburg-Ruhrort Hafen, beziehungsweise Köln-Eifeltor und dem französischen Lyon. Eine weitere Verdichtung des Netzwerkes ist schrittweise möglich, weil die Engpässe in der Umschlagkapazität an mehreren zentralen Terminals beseitigt worden sind. Innerhalb von zwölf Monaten (von Dezember 2011 bis November 2012) ist gleich an vier der umschlagstärksten Terminals im unbegleiteten KV in Deutschland jeweils ein drittes Modul in Betrieb gegangen. Das hat die Umschlagkapazität insgesamt um 500.000 Ladeeinheiten pro Jahr erweitert.

Kombiverkehr rüstet komplette Wagenflotte auf lärmreduzierte Bremssohlen um

Für leichte Entspannung bei Transporten von Megatrailern auf der Schiene hat die Bestellung von 100 Doppeltaschenwagen des Typs T3000 gesorgt. Seit April dieses Jahres sind alle Waggons, die Kombiverkehr in der größten Einzelinvestition in der Geschichte des Unternehmens bestellt hatte, ausgeliefert und in die Zuggarnituren übernommen worden. Megatrailer sind seit einigen Jahren ein besonders stark wachsendes Segment im Bereich der Transportmittel, das bei Kombiverkehr vor allem für Transporte von und nach Südosteuropa nachgefragt wird. Neben über 4.000 Waggons, die Kombiverkehr täglich anmietet, verfügt das Unternehmen nun über einen Bestand von 262 eigenen Wagen, davon 179 Doppeltaschenwagen T3000, die sowohl Wechselbehälter und Container als auch Sattelanhänger transportieren können. Alle Kombiverkehreigenen neuen Wagen, die seit 2009 beschafft wurden, sind bereits mit leisen Bremssohlen ausgerüstet. Sie senken die Lärmemissionen um 10 Dezibel, was einer Halbierung der wahrgenommenen Lautstärke entspricht. Die neue K(omposit)-Sohle ersetzt die traditionelle Grauguss-Sohle, die durch ein Aufrauen der Radlaufflächen das typische Quietschen von Güterzügen verursacht. Hierzu gab Riedl während der Gesellschafterversammlung bekannt: „Um einen nachhaltigen Beitrag zur Lärmreduzierung und dadurch auch für mehr Akzeptanz des Güterverkehrs in der Bevölkerung zu sorgen, wird Kombiverkehr bis Ende 2013 die gesamte Wagenflotte auf lärmreduzierte Bremssohlen umgerüstet haben.“

Kombiterminals: Kostenexplosion durch AwSV noch nicht völlig vom Tisch

Mit Unverständnis reagierte Riedl auf die Einbeziehung von Kombiterminals in den neuen Entwurf der Verordnung über den Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV). Danach sollten die Umschlaganlagen flüssigkeitsundurchlässig gemacht und mit entsprechenden Rückhaltebecken ausgerüstet werden und zwar nicht nur neu gebaute Anlagen, sondern auch alle Bestandsanlagen. „Es ist und bleibt für uns unverständlich, warum eine Diskussion über wassergefährdende Stoffe im Zusammenhang mit Terminals des Kombinierten Verkehrs vom Zaun gebrochen wird, wenn Lkw jeden Tag und jede Nacht auf bundesdeutschen Autobahnen und Parkplätzen wassergefährdende Stoffe ungeregelt befördern oder abstellen.“ Der Schienengüterverkehr und insbesondere der Kombinierte Verkehr habe in den letzten Jahren bewiesen, dass er das Handling von wassergefährdenden Stoffen und Gefahrgut beherrsche. „Gefahrgutunfälle auf der Schiene kommen nicht nur 40-mal weniger vor als auf der Straße, sondern es gibt an jedem Bahnhof heute schon Notfalleinrichtungen und feste Löschpläne der Feuerwehren.“ Eine Umrüstpflicht würde dem KV zusätzliche Kosten von mehreren 100 Millionen Euro aufbürden und drohe, ihn durch Betriebseinschränkungen in der Umbauphase lahm zu legen. „Nach den jüngsten Informationen sollen KV-Terminals womöglich doch nicht in die Verordnung aufgenommen werden, aber eine endgültige Entwarnung gibt es leider noch nicht.“

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