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Neue Perspektive auf dem Arbeitsmarkt

Die deutsche Güterverkehrslogistik ist führend in Europa und erzielt mit 220 Milliarden Euro das drittgrößte Umsatzvolumen des Landes. Durch Osterweiterung und Produktionsverlagerungen ins Ausland ergeben sich immer längere Transportwege und Anlieferungszeiten. Dadurch steigt auch der Bedarf an Arbeitskräften in der Logistik, die derzeit rund 2,8 Millionen Menschen beschäftigt.

Die Branche bietet attraktive Arbeitsbedingungen mit realistischen Aufstiegschancen und einem vielseitigen Tätigkeitsfeld, dennoch sind Fachkräfte Mangelware. Daher ist dieses Berufsfeld auch bei Umschülern und Rehabilitanten im Kommen. Beate Gsimbsl, die aus gesundheitlichen Gründen ihre Anstellung als Einzelhandelskauffrau aufgeben musste, ist eine von ihnen. Sie absolvierte zwischen 2007 und 2009 eine Umschulung zur Speditionskauffrau am Berufsförderungswerk (BFW) der Eckert Schulen in Regenstauf, wo mehrere modularisierte Umschulungen zu verschiedenen Logistikbereichen angeboten werden. Gsimbsl ist mittlerweile eine von 50 Mitarbeitern der Spedition Griesbeck Transporte und als „rechte Hand“ des Geschäftsführers nicht mehr wegzudenken.

„Im Verlauf der letzten fünf Jahre haben mehr als 200 Teilnehmer mit gesundheitlichem Handicap ein Rehabilitationsprogramm im Logistikbereich absolviert“, so Gottfried Steger, Geschäftsführer des BFW Eckert. „Aus standardisierten Nachbefragungen, die regelmäßig ein halbes Jahr nach dem Abschluss durchgeführt werden, wissen wir, dass 75 bis 85 Prozent der Absolventen einem dauerhaften Job in der Branche nachgehen“. Auch Beate Gsimbsl gehört zu dieser Mehrheit. „Nach meiner erfolgreich abgeschlossenen Prüfung habe ich sofort eine Festanstellung bei der Spedition bekommen, die ich schon durch mein Praktikum während der Umschulung kannte und wo ich danach tageweise gearbeitet hatte“, berichtet Gsimbsl. Genau darauf zielt das Konzept der Eckert Schulen auch ab: Die Schüler sollen einen möglichst hohen Praxisteil absolvieren und dabei von den Beziehungen der Privatschule zu den Unternehmen der Region und der Erfahrung der Ausbilder profitieren. „Ausbilder und Lehrkräfte sind ausnahmslos Personen mit professionellen Branchenkenntnissen und intensiver Vernetzung zu Firmen. Dadurch ist eine sehr praxisnahe und jederzeit auf die aktuellen Erfordernisse der Logistik abgestimmte Qualifizierung sichergestellt“, so Steger.

Neu gebautes Kompetenzzentrum schafft Real-life-Arbeitssituation zu Ausbildungszwecken

Zu den verschiedenen Ausbildungen, die im Bereich Logistik bei Eckert, angeboten werden, zählen Kaufmann für Speditions- und Logistikdienstleistung, Fachkraft für Lagerlogistik, Fachlagerist und Lagerverwalter. Die einzelnen Ausbildungsberufe sind jeweils modularisiert, so dass je nach Qualifikation und gesundheitlichen Möglichkeiten nach dem ersten Modul, das sich mit kaufmännischen und lagerlogistischen Grundlagen beschäftigt, noch in einen anderen Ausbildungszweig gewechselt werden kann. Denn die Vielseitigkeit dieses Tätigkeitsfeldes wird oft unterschätzt. So gehört beispielsweise zu Gsimbsls Berufsfeld der Kauffrau für Speditions- und Logistikdienstleistungen längst nicht mehr nur das reine Organisieren der Gütertransporte auf der Straße, auf Schienen, zu Wasser und in der Luft. In der heutigen Zeit sind auch ein adäquater Umgang mit Kunden, Erstellung von Logistikangeboten, Tourenplanung, Fahrzeugdisposition sowie Wissen im Bereich Gefahrentransport, Versicherungsschutz und Verzollung unabdingbar.

Um die Lerninhalte so realitätsnah wie möglich gestalten zu können, haben die Eckert Schulen ein Kompetenzzentrum errichtet, das die Arbeitssituationen in Logistikunternehmen eins zu eins nachbildet. „Es handelt sich um ein umfassend ausgestattetes Lager mit allen Merkmalen eines modern aufgestellten Betriebs. Verpackungs- und Sicherungstechniken können hier ebenso handlungsorientiert vermittelt werden wie der Umgang mit einschlägiger Anwendungssoftware aus dem Lager-Logistikbereich“, erklärt Steger. So beherbergt das neue Gebäude vier Regalarbeitsplätze, die mit verschiedenen Gütern ausgestattet sind, so dass Aufträge kommissioniert und fachgerecht verpackt, etikettiert und wenn notwendig mit Hinweis- und Warnschildern versehen werden können. Außerdem wurde eine kippbare LKW-Ladefläche installiert, wo das sichere Verstauen der Waren erlernt werden kann. An den PCs können über die Lagersoftware „Komalog“ der Warenein- und -ausgang verbucht und die zugehörigen Unterlagen erstellt werden. „Die Inhalte der Umschulung kann ich in meinem Arbeitsalltag gut anwenden. Für einige Bereiche habe ich auch noch zusätzliche Schulungen und Weiterbildungen besucht, da gerade für den Speditionsbereich ständig neue Vorschriften erlassen werden und man immer auf dem aktuellsten Stand sein muss“, erklärt Gsimbsl.

Vermittlung von psychischer Stärke ebenso wichtig wie Lerninhalte selbst

Neben der praktischen Erfahrung umfasst die Ausbildung Schwerpunkte wie Kundenbetreuung, Tourenplanung, Fahrzeugdisposition sowie Versicherungsschutz, Schadensregulierung, Zahlungs- und Retourenabwicklung aber auch Bearbeitung von Gefahrguttransporten, Verzollung sowie Controlling von Kosten und Leistungen. ?Neben der Einübung dieser umfangreichen und komplexen Inhalte ist der Erfolg einer Umschulung fast immer auch davon abhängig, ob die Ausbilder und Lehrkräfte es schaffen, den Teilnehmern wieder Mut und Selbstbewusstsein zu vermitteln?, so Steger. Denn die gesundheitlichen Defizite, die zu einer Umschulung führen, betreffen nicht nur orthopädische, neurologische und internistische Probleme, sondern verstärkt auch solche psychischer und psychosomatischer Natur. „Für mich privat waren die zwei Jahre an der BFW Eckert keine leichte Zeit. Allerdings waren die Dozenten eine große Unterstützung. Ich konnte mich schon damals auf sie verlassen und stehe noch heute mit ihnen in Kontakt“, so Gsimbsl.

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