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Erfahrung trifft Neugier

Viele Unternehmen haben es längst erkannt: Das Wissen ihrer erfahrenen Mitarbeiter ist wichtiges Kapital. Ältere Arbeitnehmer bringen neben ihrem langjährigen Erfahrungsschatz häufig zusätzliche besondere soziale Kompetenzen ein. Faktoren wie Loyalität, Arbeitsmoral und Disziplin tragen besonders zum Erfolg bei. Auf der anderen Seite führt der rasante technische Fortschritt dazu, dass oft die jüngeren Erwerbstätigen über aktuelleres Fach- und Spezialwissen verfügen, zum Beispiel im Umgang mit neuen I&K-Technologien und -lösungen.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsvorhaben „knowledge@all ? Kognitionsunterstützendes Lehr-Lern-System für den Generationen-übergreifenden Wissensaustausch in der Logistik“ zielt darauf, Fach- und Erfahrungswissen von Erwerbstätigen zu konservieren und für alle Generationen am Arbeitsplatz nutzbar zu machen. Im Mittelpunkt dieses im Rahmen des Programms „IKT 2020 ? Mit 60+ mitten im Arbeitsleben ? Assistierte Arbeitsplätze im demographischen Wandel“ angesiedelten Forschungsvorhabens steht die Logistikbranche, die viele Fragestellungen des Projekts in besonderem Maße adressiert.

In der Logistik wirkt sich der demographische Wandel besonders stark aus. Die Alterung der Belegschaften führt zu einem Mangel an Fach- und Nachwuchskräften; das sehr heterogene Anforderungsniveau der Arbeitsplätze geht einher mit einem ebenso unterschiedlichen Qualifikationsniveau der Mitarbeiter; Zeitarbeit und kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse erschweren die Integration neuer Mitarbeiter und zwischen der operativen und der strategischen Logistik fehlen häufig die erforderlichen Kommunikationswege. Gleichzeitig fallen in der Logistik immer komplexere Arbeitsschritte an, die oft nur von erfahrenen langjährigen Mitarbeitern ausgeführt und optimiert werden können. Geht ein Mitarbeiter in Rente oder wechselt den Arbeitgeber, geht dem Unternehmen dieses Wissen schnell verloren.

Ziel des am 1. September 2013 offiziell gestarteten Forschungsvorhabens „knowledge@all ? Kognitionsunterstützendes Lehr-Lern-System für den Generationen-übergreifenden Wissensaustausch in der Logistik“ ist, das Wissen und die Erfahrungen von Erwerbstätigen mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund mit neuen Methoden zu erfassen, aufzubereiten und verfügbar zu machen. Im Rahmen von „knowledge@all“ soll ein wechselseitiges Lehr-Lern-System entwickelt werden, das Lerninhalte mit innovativen Interaktionsmöglichkeiten aufbereitet und soweit als möglich direkt in den Arbeitsprozess integriert. Das Lehr-Lern-System setzt sich aus drei unterschiedlichen Komponenten zusammen, die über die Projektlaufzeit in einem Prototyp integriert werden: einer Lehr-Lern-Plattform, einem Prozess-Tool-Kit und einem Touch-for-Information-System.

Verbundpartner des Forschungsvorhabens „knowledge@all“ sind die innosabi GmbH (Konsortialführer), die szenaris GmbH, die Kühne+Nagel AG & Co. KG, trilogIQa, der Verband bayme vbm, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS. Die Bayern Innovativ GmbH übernimmt den Part des Technologie- und Wissenstransfers, sie erstellt unter anderem Anforderungsanalysen in unterschiedlichen Branchen und bereitet die Ergebnisse für die Öffentlichkeit sowie für Netzwerke und Cluster auf.

Die Lehr-Lern-Plattform vernetzt die unterschiedlichen Akteure unabhängig von ihrem Arbeitsplatz und Standort. In diese für die gesamte Belegschaft verfügbare Wissensdatenbank kann jeder Beschäftigte Beiträge einspeisen. Arbeitnehmer mit Büroarbeitsplätzen können die Plattform, die die Einbindung unterschiedlicher Medientypen und Informationskanäle erlaubt, über ein Computer-Interface nutzen, für ihre Kollegen in der operativen Logistik werden zwei weitere geeignete Lösungen entwickelt.

Mit dem Prozess-Tool-Kit können auch Mitarbeiter ohne Programmierkenntnisse Animationsvideos erstellen, relevantes Prozesswissen direkt in die jeweilige logistische Umgebung einbetten und dieses auch wenig erfahrenen Nutzern zugänglich machen. Das Touch-for-Information-System umfasst Visualisierungs-Technologien (z. B. sensorgestützte Informationspunkte und Datenbrillen) mit denen Lerninhalte möglichst direkt in den Arbeitsprozess integriert abgerufen werden können.

Erfahrungsberichte und ähnliche Ansätze in der Vergangenheit haben gezeigt, dass sich derartige Lehr-Lern-Systeme nicht ohne soziale Vermittlung umsetzen lassen. Dies gilt insbesondere für die Anfangsphase. Mit einem Schulungskonzept werden daher sogenannte „Wissensbroker“ in den teilnehmenden Unternehmen ausgebildet. Aufgabe der Wissensbroker ist, Inhalte auszuwählen, Wissen zu evaluieren und Mitarbeiter zur Teilnahme zu motivieren.

Die Entwicklung des Systems erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen Wirtschafts- und Forschungspartnern. Es orientiert sich inhaltlich und formal an den Bedürfnissen und Vorgaben der Anwendungspartner aus der strategischen und operativen Logistik. Der während der Projektlaufzeit entwickelte Prototyp für ein gelebtes Lehr-Lern-System soll durch seinen modularen Aufbau auf die Bedürfnisse anderer Branchen angepasst werden können. Nach Beendigung des Forschungsprojektes sollen im Test- und Anwendungszentrum des Fraunhofer IIS in Nürnberg Demonstrationsarbeitsplätze zur Verfügung stehen.

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