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Erfolgreicher Abschluss des Forschungsprojekts PreparedNET

Am Ende der auf drei Jahre angelegten Projektlaufzeit kann das Konsortium des Forschungsvorhabens PreparedNET, das durch das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) in Bremen koordiniert wurde, den erfolgreichen Abschluss des Projekts vermelden. Vor rund 30 Teilnehmern wurden am 10. September 2013 die Ergebnisse im Lage- und Führungszentrum der Hochschule Bremerhaven vorgestellt. Im Mittelpunkt stand dabei eine Live-Demonstration des entwickelten Management Portals für Unternehmen in Güterverkehrszentren (GVZ) und Logistikknoten, dessen Funktionsweise auf einem Multiagentensystem beruht.

Kern dieses Systems ist die Bereitstellung eines softwarebasierten Notfallkonzeptes zur Aufrechterhaltung der Warenflüsse nach unerwarteten Störungen innerhalb logistischer Drehscheiben. Solche Störereignisse können beispielsweise Schäden an Gleisanlagen und Weichen, Ausfälle an KV-Anlagen oder Verkehrsunfälle auf wichtigen Zufahrtsstraßen sein. Mit Hilfe des neuen PreparedNET Management Portals sind Unternehmen hier nun in der Lage, die verbliebenen Transport-, Umschlags- und Handlingkapazitäten innerhalb der Logistikagglomeration dynamisch zu planen und zu steuern, um die Belieferung ihrer Kunden trotz Störung zu gewährleisten.

Innerhalb der Infrastruktur Deutschlands übernehmen Güterverkehrszentren und Logistikknoten wichtige Aufgaben bei der Warenversorgung. In einem GVZ werden unterschiedliche Verkehrsträger (z. B. Straße, Schiene, Wasserwege) und Akteure zusammengeführt und vernetzt. Zu den Akteuren zählen unter anderem Speditionen, Lagerbetreiber, Dienstleistungsbetriebe und logistikintensive Industrie- und Handelsbetriebe. Die daraus resultierende Komplexität wird durch wachsende Volumenströme und Variantenvielfalt der Güter erhöht. Bei einem Schadenseintritt innerhalb eines GVZ kann es regional, national und sogar international zu Produktionsausfällen und zu Versorgungsengpässen für die Industrie, den Handel und die Bevölkerung kommen. Vor dem Hintergrund des Szenarios einer Störung innerhalb eines GVZ ist das Ziel von PreparedNET die Konfiguration eines Notfallkonzeptes zur Aufrechterhaltung der Warenflüsse auch im Falle eines erheblichen Betriebsausfalls. Durch das Notfallkonzept wird ein Notbetrieb sofort nach Schadenseintritt ermöglicht.

Im Rahmen des Projektes wurde ein webbasierter Demonstrator erstellt, der auf der sogenannten Multiagententechnologie beruht. Über die Funktionsweise des entwickelten Systems konnten sich die Teilnehmer der Abschlussveranstaltung nun ein Bild machen. Das zugrunde liegende Szenario war dabei angelehnt an eine tatsächliche Begebenheit im GVZ Bremen im Oktober 2011, eine Störung der Schienenanbindung durch die Kollision zweier Güterzüge. In der Live-Demonstration wurden die Anwender durch das neue Management Portal aktiv über den Unfall und die damit einhergehenden Konsequenzen für ihre jeweiligen Warenflüsse informiert. Das entwickelte System unterstützte die Nutzer anschließend bei der Initiierung und Aufrechterhaltung der Warenflüsse durch eine partizipative sowie dynamische Planung und Steuerung ihrer schadensspezifisch verbleibenden Kapazitäten.

Um die Komplexität des Abgleichs zwischen Logistikkapazitätsangebot und -nachfrage der einzelnen Unternehmen im GVZ möglichst realistisch darzustellen, wurden zusätzliche Unternehmen ergänzend integriert. Im Verlauf des Schadensszenarios wurden zudem weitere Informationen zur Entwicklung der Störung über die Oberfläche des Demonstrators den Nutzern angezeigt, um auch die Stärken des Systems bei kaskadierenden Szenarien zu präsentieren sowie das Erleben des Live-Szenarios für die Teilnehmer realistischer zu gestalten. Ein Beispiel hierfür war die Verzögerung der Bergung eines Zuges durch unerwartete Komplikationen und die hierdurch entstehende Verlängerung der Szenariolaufzeit. Dauerte es 2011 mehrere Stunden bis zum Teil Tage bis erste Notversorgungsprozesse von den Akteuren initiiert wurden, zeigte das neue Management Portal innerhalb von Sekunden auf, welche Unternehmen im vorliegenden Schadensfall betroffen sind und bot diesen zugleich konkrete Lösungsvorschläge an. Die Nutzer konnten anschließend basierend auf den Vorschlägen des Systems flexibel benötigte Transport- und Umschlagskapazitäten über das Webportal miteinander kommunizieren und verhandeln, das heißt entsprechend dem Angebot und der Nachfrage nach Kapazitäten auf andere Akteure und Verkehrsträger ausweichen und so Versorgungsengpässe vermeiden.

Die Teilnehmer zeigten sich überzeugt, dass die agentenbasierte Methodik in Verbindung mit der webbasierten Oberfläche zur Umsetzung von Notfallkonzepten in Logistikknoten der richtige Weg ist und bewerteten die Entwicklung des Portals als durchweg positiv. Durch die verwendete und im Rahmen des Projekts standardisierte Struktur der Anwendung (DIN SPEC 91291), ist PreparedNET problemlos auf neue Logistikagglomerationen erweiter- sowie übertragbar und kann durch die Steigerung der Robustheit innerhalb logistischer Ketten für diese zu einem entscheidenden Standortvorteil werden. Im Anschluss an das Projekt gilt es nun, den Güterverkehrszentren und Logistikknoten die vielversprechenden Möglichkeiten aufzuzeigen und die Ergebnisse zu kommunizieren.

Das Projekt PreparedNET wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im nationalen Sicherheitsforschungsprogramm (Forschung für die zivile Sicherheit ? Sicherung der Warenketten) mit 1,8 Millionen Euro gefördert. Neben dem ISL wirkten am Projekt das Deutsche Institut für Normung, die LUB Consulting GmbH, die Hochschule Furtwangen sowie die Emons Spedition GmbH mit. Weitere Projektpartner waren die GVZ Entwicklungsgesellschaften Bremen und Dresden. Durch die Einbindung der Feuerwehr Bremen, der Deutschen GVZ Gesellschaft sowie verschiedener GVZ Akteure wie beispielsweise die ACOS Group, die ITL Eisenbahngesellschaft mbH und die Heinrich Langhorst GmbH & Co. KG als Endnutzer wurden die Anwenderanforderungen sowie eine realitätsnahe Ausrichtung der Forschungsarbeiten als auch eine breitenwirksame Ergebnisvermittlung stets berücksichtigt.

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