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Norddeutsche Hafenwirtschaft, Industrie und Schifffahrt fordern Ausbau für Nord-Ostsee Kanal

Auf Einladung von Hafen Hamburg Marketing e.V. sprachen sich die Vertreter von Häfen und Wirtschaft entlang des Nord-Ostsee-Kanals (NOK) und der Hamburg Port Authority in Hamburg gemeinsam für einen verzögerungsfreien Neubau der 5. Schleusenkammer und die Sanierung der beiden bestehenden großen Schleusenkammern in Brunsbüttel aus. Mittelfristig sei aus Sicht der Hafenwirtschaft und Industrie auch die Begradigung der Oststrecke und die Vertiefung des Kanals um einen Meter unbedingt zu realisieren.

In der von Hafen Hamburg Marketing Vorstand Axel Mattern moderierten Gesprächsrunde, in der es um die Anforderungen an eine leistungsfähige und verlässliche Kanalinfrastruktur und die wirtschaftlichen Folgen bei einer eingeschränkten Nutzung und Erreichbarkeit ging, diskutierten der Vorsitzende der Initiative Kiel-Canal e.V. , Jens Broder Knudsen, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Hamburg Port Authority AöR Jens Meier, der Vorstandsvorsitzende des Gesamtverband Schleswig-Holsteinischer Häfen e.V., Frank Schnabel und der Geschäftsführer von TOTAL Bitumen Deutschland GmbH, Rainer Keiemburg.

Für Jens Broder Knudsen steht fest, dass neben den Kanalhäfen auch die norddeutschen Häfen und unsere europäischen Nachbarn zur Abwicklung ihrer wachsenden Güterströme auf einen funktionsfähigen und störungsfrei befahrbaren Nord-Ostsee-Kanal angewiesen sind. Knudsen weist darauf hin, dass die Bodewig-Kommission mit der Zustimmung aller 16 Bundesländer richtungweisende Möglichkeiten für die Infrastrukturfinanzierung erarbeitet hat. Über das Sondervermögen und die Pilotprojekte wurde mit breitem politischem Konsens eine Grundlage geschaffen, Infrastrukturfinanzierung prioritär und überjährig zu refinanzieren. Dies wird nach Auffassung von Knudsen die Umsetzung zukünftiger Infrastrukturmaßnahmen deutlich vereinfachen. „Die gegenwärtige Diskussion über eine „PKW Maut für Ausländer“ darf die politisch gewollte Aufstockung zusätzlicher Haushaltsmittel nicht weiter behindern. Der Nord-Ostsee-Kanal ist die Lebensader der deutschen Nordseehäfen für Relationen in die Ostsee. Um diesen Wegevorteil gegenüber den konkurrierenden Häfen in den Niederlanden und Belgien sicherzustellen, sollten die Mittel aus dem zu schaffenden Sondervermögen für die notwendigen und nachholenden Sanierungsarbeiten am Nord-Ostsee-Kanal dienen“, fordert Knudsen.

Trotz mehrfacher Ausfälle und Einschränkungen des Kanalbetriebs befuhren im ersten Halbjahr 2013 insgesamt 15.940 Schiffe den NOK und transportierten 48,8 Millionen Tonnen Ladung. Die Erreichbarkeit der direkt am NOK gelegenen Häfen in Brunsbüttel, Hochdonn, Hohenhörn, Kreishafen Rendsburg und des neu errichteten Schwerlasthafens Rendsburg Port, Nordhafen Kiel sowie des Binnenhafen Kiel-Holtenau muss für Frank Schnabel dauerhaft gewährleistet sein. „Wenn die Zuverlässigkeit des Kanals, immerhin der meistbefahrene Kanal der Welt, durch infrastrukturbedingte Mängel nicht garantiert werden kann, führt das schnell zu einer Verlagerung der Transportströme. Das trifft dann auch etliche Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt dem Kanal und seinen Verkehren zuzurechnen sind“, sagt Schnabel. Für Frank Schnabel ist der Nord-Ostsee Kanal mehr als eine Transitwasserstraße. „Der NOK ist ebenso die Lebensader für Industrieunternehmen und Gewerbe entlang des Kanals. Hamburg und Schleswig-Holstein sind so stark vernetzt, dass negative Folgen für Hamburgs Hafen auch auf Schleswig-Holstein und seine maritime Wirtschaft direkt durchschlagen! Wir müssen unbedingt den Super-Gau einer längerfristigen Sperrung des Nord-Ostsee-Kanals verhindern, ansonsten entsteht größerer Schaden an der Volkswirtschaft“, mahnt Schnabel.

Auf die störungsfreie Ver- und Entsorgung der am Kanal und in der Region ansässigen Industrie wies Rainer Keiemburg hin: „Für Produktionsbetriebe, wie TOTAL Bitumen oder auch Bayer und die Raffinerie Heide, bedeuten betriebliche Einschränkungen oder Sperrungen des Kanals Ausfälle in Millionenhöhe. Durch Verzögerungen oder Einstellungen der Produktion entstehen den Betrieben zusätzliche Kosten und ein enormer Aufwand. Da kann es ganz schnell auch zu Versorgungsengpässen bei unseren Kunden kommen“, macht Keiemburg deutlich. Für ein Unternehmen wie TOTAL Bitumen Deutschland, das eine 100 jährige Erfolgsgeschichte vorweisen kann und sich mit seinen Produkten eng der Infrastrukturentwicklung verbunden sieht, ist nach Auffassung von Keiemburg ein funktionierender NOK auch ausschlaggebend dafür, ob die Entwicklung des Industriestandortes Brunsbüttel in einer Sackgasse endet oder auf Wachstumskurs bleibt.

Neben den Ersatzinvestitionen in die Schleusen und die Levensauer Hochbrücke muss nach Ansicht der Initiative Kiel-Canal e.V. aufgrund der zunehmenden Schiffsgrößen und Tiefgänge auch die Oststrecke des NOK kurzfristig angepasst werden. „Dies ermöglicht einen größeren nutzbaren Tiefgang und somit eine höhere Transportkapazität. Neben der Anpassung und Optimierung der Kanalkurven in der Oststrecke ist auch die Vertiefung um einen zusätzlichen Meter auf insgesamt 12 Meter wichtig. Diese Maßnahmen verkürzten die Passagezeiten für die Schifffahrt und vermeiden somit Wartezeiten. Ferner ist es von entscheidender Bedeutung, dass die zuständigen Ämter mit ausreichenden Ingenieuren und Technikern ausgestatten werden. Ohne zusätzliches Personal ist der notwendige Komplettausbau des NOK nicht sichergestellt“, verdeutlicht Knudsen.

Für Jens Meier ist der NOK ein entscheidender Standortvorteil für den Hamburger Hafen und die übrigen deutschen Seehäfen an der Nordsee. Von Hamburg aus beträgt der Wegevorteil nach Gdansk bei Nutzung des NOK beispielsweise 437 Seemeilen gegenüber dem Weg um Dänemark herum, der über Skagen 874 Seemeilen beträgt. „Mit mehr als 130 Feederabfahrten in der Woche werden pro Jahr rund 2 Millionen TEU umweltfreundlich per Feederschiff zwischen Hamburg und dem Ostseeraum durch den Kanal transportiert. Die wirtschaftliche Bedeutung des NOK geht somit weit über den norddeutschen Raum hinaus. Die Ertüchtigung, der Ausbau und die Instandhaltung des NOK ist dringend geboten“, fordert auch Jens Meier.

Hafen Hamburg Marketing Vorstand Axel Mattern merkte zum Abschluss der Diskussionsrunde an, dass der NOK als kürzeste, schnellste und umweltfreundlichste Seeverbindung in den Ostseeraum für die zukünftige Entwicklung der Industrie und Hafenwirtschaft in der erweiterten Metropolregion Hamburg von größter Bedeutung sei. „Der Nord-Ostsee-Kanal ist in Kombination mit der Elbe und dem Hamburger Hafen ein Verkehrssystem. Der Erhalt und Ausbau des Kanals ist im Rahmen der Verkehrsinfrastruktur Deutschlands eine nationale Aufgabe und zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft und Häfen unbedingt erforderlich. Von einer neuen Bundesregierung erwarten wir nach der in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigten Infrastruktur deutliche Signale für eine sichere Zukunft des Nord-Ostsee-Kanals und der mit ihm verbundenen Wirtschaft und Häfen“, sagt Mattern.

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