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Bilanzieren und zertifizieren für mehr Nachhaltigkeit in der Logistik

EffizienzCluster LogistikRuhr strebt einheitliche Ökoeffizienz-Standards für die Logistikbranche an.

Ökosiegel, Umweltlabel, Nachhaltigkeitszertifikate, Prüfnachweise: Das Dickicht scheinbar verbindlicher Zertifikate ist nahezu undurchdringlich. Allein für den Konsumentenbereich listet die Verbraucherinitiative e.V. mehr als 170 Umweltlabel auf. Auch in der Logistik fehlen, ebenso wie in den meisten Branchen, verbindliche Standards, wie Umweltwirkungen erfasst, bewertet und reduziert werden. Der EffizienzCluster LogistikRuhr hat vergangene Woche die führenden Initiativen und Akteure zusammengebracht, um die unterschiedlichen Ansätze der Bilanzierungs- und Zertifizierungsmethoden zu diskutieren. Das Ziel: einheitliche Standards für die ökologische Bewertung logistischer Aktivitäten.

„Der Handlungsdruck auf Unternehmen in Industrie, Handel und Logistikwirtschaft, ihre Umweltwirkungen zu erfassen, transparent zu machen und zu reduzieren, nimmt weiter zu“, so Thorsten Hülsmann, Geschäftsführer der EffizienzCluster Management GmbH. „Immer mehr europäische Länder führen Gesetze und Verordnungen zur Reduzierung von CO2-Emissionen und Treibhausgasen ein. Allerdings gibt es keine verbindlichen Regelungen, wie man logistische Prozesse verursachungsgerecht bewertet und sie ökoeffizient gestaltet. Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren bereits eine Menge getan: Die Unternehmen sehen eine Öko-Bilanzierung mehr und mehr als Wettbewerbsvorteil und profitieren durchaus auch unmittelbar von Kosteneinsparungen, wenn sie entsprechende Maßnahmen einführen.“

Weniger CO2: Drei Initiativen und Projekte eint ein Ziel

Auf Initiative des EffizienzClusters hat das EU-Forschungsprojekt LOG4GREEN die führenden nationalen und europäischen Akteure eingeladen, ihre jeweiligen methodischen Ansätze vorzustellen. LOG4GREEN untersucht u.a. die ökonomischen Vorteile grüner und sozialer Investments in der Logistik auf EU-Ebene. Die Akteure von zwei Initiativen und einem Forschungsprojekt haben eine jeweils unterschiedliche Herangehensweise ? jede für sich erfolgreich:

  • 20 Prozent CO2-Reduzierung in fünf Jahren ist das Ziel der Initiative Lean & Green ? in Deutschland durch GS1 Germany organisiert. Teilnehmende Logistik-Unternehmen erhalten nach Vorlage und Prüfung eines Aktionsplans einen Lean & Green-Award, können sich durch die Umsetzung den Lean & Green-Star verdienen. Jedes Unternehmen kann seine Methoden zur Ökobilanzierung weitgehend selbst bestimmen ? ein pragmatischer Schritt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und einer, den die teilnehmenden Unternehmen mit viel Leidenschaft gehen.
  • Eine einheitliche Methode zur Erfassung von Umweltwirkungen liegt der Initiative Green Freight Europe zugrunde: Hier wird eine Plattform entwickelt, die auf Basis einheitlicher Daten die Beschaffung logistischer Dienstleistung CO2-optimiert unterstützt. Green Freight Europe setzt dabei insbesondere auf die Zusammenarbeit zwischen Verladern und Transporteuren. Beide Initiativen konzentrieren sich vor allem auf den Transport.
  • Ein einheitliches Bewertungssystem über die gesamte Logistikkette hinweg, das alle Elemente der logistischen Wertschöpfungskette mit einbezieht, entwickeln derzeit die Forscher im EffizienzCluster-Projekt Green Logistics. Das Ziel ist ambitioniert, wird aber getrieben durch die beteiligten Unternehmen. „Wir müssen zunächst einmal festlegen, was wir bewerten ? also den Bilanzraum einheitlich definieren“, so Dr. Kerstin Dobers, Projektleiterin Green Logistics. „Erst dann können wir die Umweltwirkungen wirklich zuordnen und die Ökoeffizienz logistischer Systeme vergleichen und verbessern.“/li>

Europäische Zusammenarbeit stärken für eine grüne Logistik

Die Entwicklung internationaler Standards wird gleichermaßen von Wissenschaft und Wirtschaft getragen. Die Liste der Mitglieder in den Initiativen und Stakeholdergruppen liest sich wie ein Who-is-Who der europäischen Wirtschaft. Die großen Logistik-Dienstleister wie UPS, DPD oder Deutsche Post sind ebenso engagiert wie Weltkonzerne wie Procter & Gamble, Philips oder Coca Cola. Auch KMU sind in den Initiativen zahlreich vertreten. Allein die hohe Beteiligung der Unternehmen demonstriert ihre Bereitschaft, gemeinsam an einem internationalen Zertifizierungssystem zu arbeiten. Thorsten Hülsmann: „Jetzt gilt es, die Kooperation der wichtigsten Initiativen zu intensivieren und die Arbeit nach Brüssel zu tragen ? ein nächster Schritt für mehr Nachhaltigkeit in der Logistik.“

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