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Effiziente Güterströme: Das World Wide Web als Vorbild der Logistik

Ein Logistik-System nach dem Vorbild des World Wide Web: Die Vision des sogenannten „Physical Internet“ ist es, statt digitaler Datenpakete reale Güter um den Globus zu schicken, in genormten modularen Behältersystemen, gemeinsam genutzten Transportmitteln und über offene Netze.

Im ersten physischen Beitrag zum „physischen“ Internet, dem EU-Projekt MODULUSHCA, spielt die TU Graz mit der Entwicklung der modularen Transportboxen eine federführende Rolle. Der erste Prototyp aus dem 3D-Drucker ist fertig und wird nun umfassenden Belastungs- und Funktionstests unterzogen.

Güterströme weltweit effizienter, flexibler und nachhaltiger machen will die internationale Initiative „Physical Internet“: So wie im World Wide Web Informationen als Datenpakete durch weit verzweigte, offene Routen geschickt werden, sollen auch Güter in einem weltweiten Logistik-Verbund nahtlos, schnell und flexibel an ihren Bestimmungsort gelangen. Ein genormtes, modulares Behältersystem, synchronisierte Lieferungen, ein gemeinsames Transportnetz und schließlich die gemeinsame Nutzung von Ladekapazitäten sollen das „Physical Internet“ wahr werden lassen. „Die physische, digitale und operative Vernetzung der weltweiten Logistikbranche ist ein Kraftakt. Bis 2030 wollen wir das Ziel des globalen physischen Internets aber erreichen“, sagt Christian Landschützer vom Institut für Technische Logistik der TU Graz.

Eine Box für alle Fälle

Bislang sind große Warenhändler logistische Einzelkämpfer: Sie betreiben riesige Distributionszentren nur für den eigenen Zweck, haben eine eigene Flotte an Transportmitteln und ein eigenes System der Warenlieferung. „Diese Individualität der Logistikbranche ist der Grund, warum das System trotz vieler Bemühungen relativ unflexibel, ineffizient und wenig umweltfreundlich ist“, schildert Landschützer. LKW und Container sind selten voll genutzt und reisen oftmals völlig leer oder nur halbvoll um die Welt. „So zielen alle Bemühungen, die CO2-Belastung im Warenverkehr durch verbesserte Transport-Technologien zu reduzieren, ins Leere. Dem soll das ‚Physical Internet‘ entgegenwirken“, unterstreicht Landschützer.

Das EU-Projekt MODULUSHCA ist ein erster konkreter Schritt. Am Beispiel Konsumgüter wollen die Logistikexperten das Konzept des physischen Internet erstmals in die Praxis umsetzen. Mit der Entwicklung der modularen Transportboxen hat das Team der TU Graz eine maßgebliche Rolle im Projekt: „Wir brauchen standardisierte und flexible Transportbehälter, die über 30 verschiedene Kriterien erfüllen müssen“, betont Landschützer. Die modularen Boxen müssen dabei wahre Alleskönner sein: Sie sollten sich unter anderem recyceln, stapeln und untereinander verbinden lassen, in sämtliche Transportmittel passen, ISO-genormt in verschiedenen Größen nach Bedarf kombinierbar sein, zudem einheitlich gekennzeichnet und identifizierbar und wenig CO2 in der Herstellung verbrauchen.

Prototyp aus dem 3D-Drucker

Der erste physische Beitrag auf dem Weg zum physischen Internet ist dem Grazer Expertenteam geglückt: Nach umfassenden Vorentwicklungen haben sie mittels „Rapid Prototyping Technology“ Einzelteile aus dem 3D-Drucker zum ersten Prototypen der Transportbox zusammengesetzt. Der Prototyp der Transportbox muss nun verschiedene Labortests absolvieren und wird unter anderem auf Zuverlässigkeit der Mechanismen, Festigkeit, Verschleiß und mögliche Fehlerquellen überprüft. Ab Ende Mai 2014 sollen mit insgesamt bis zu 40 weiterentwickelten Prototypen in zwei verschiedenen Größen erste Tests im realen Warenumlauf stattfinden, konkret mit einem großen Konsumgüter-Produzenten, der Supermärkte mit Waren wie Körperpflegeprodukte, Reinigungsmittel und Co. beliefert.

MODULUSHCA ist im Oktober 2012 gestartet und hat eine Projektlaufzeit von drei Jahren. Neben der TU Graz sind weitere Hochschulen und Forschungseinrichtungen, Logistikunternehmen und Warenhändler aus ganz Europa Teil des Projekt-Konsortiums.

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