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Interview mit Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Delfmann, Seminar für Unternehmensführung und Logistik, Universität zu Köln

Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Delfmann

1. Warum werden Supply Chains immer volatiler?

Aus verschiedensten Gründen sind in den letzten Jahren viele Supply Chains immer komplexer geworden. Hierzu tragen zahlreiche Faktoren bei, die sowohl in den externen Anforderungen an die Supply Chains begründet sein können wie auch in der internen Gestaltung der Wertschöpfungsnetze und zwischen denen außerdem vielfältige Wechselwirkungen bestehen.

Komplexitätstreiber liegen vor allem in der Globalisierung der Wertschöpfungsnetzwerke, dem verstärkten Outsourcing und damit steigender Zahl der Supply Chain Akteure sowie der zunehmenden kundenorientierten Produkt- und Prozessdifferenzierung begründet.

Dies führt z. B. zu steigender Komplexität bei den Lieferanten, in der Struktur und den Prozessen der Netzwerke, in der Organisation oder in dem Leistungsspektrum gegenüber den Kunden. Komplexitätserhöhung bedeutet aber regelmäßig auch zunehmende Volatilität und damit Anfälligkeit gegenüber internen wie externen Störungen.

2. Apropos volatil: Wenn die Transportkette „Arthrose“ bekommen könnte – welches wären die anfälligsten Punkte dafür?

Um bei dem Bild der Frage zu bleiben: Arthrose setzt in den Gelenken an.

In Logistiknetzen bilden die Schnittstellen zwischen den Prozessen und Akteuren die „Gelenke“. Gerade sie unterliegen den Herausforderungen der zunehmenden Komplexität und sind damit besonders anfällig für Abstimmungsprobleme und Abnutzungserscheinungen.

3. Um das „Arthrose-Risiko“ zu minimieren, muss man die Muskulatur stärken – wie kann sich die Logistik fit halten?

Voraussetzung für das Funktionieren der Schnittstellen im logistischen Kontext ist das möglichst nahtlose und reibungslose Zusammenspiel der verschiedenen Akteure. Dies erfordert vor allem eine durchgängige Abstimmung und Organisation der Güter- und Informationsflüsse, die es ermöglicht, nicht nur die erwarteten Belastungssituationen zu meistern sondern auch unvorhergesehene Herausforderungen durch entsprechende Anpassungsfähigkeit ohne Überlastung der Prozesse zu bewältigen. Logistische Fitness ist dann gegeben, wenn logistische Systeme darauf ausgelegt und vorbereitet („trainiert“) sind, robust und anpassungsfähig mit außergewöhnlichen Belastungen umgehen zu können, ohne Muskelzerrung oder gar Gelenkschäden.

 

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