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Interview mit Anita Würmser, Geschäftsführende Jury-Vorsitzende der Logistik Hall of Fame & Geschäftsführerin wuermser.communications

Anita Würmser

Menschen machen Logistik – braucht die Logistik mehr Vordenker und Visionäre?

Das glaube ich nicht, aber sie sollte stärker auf ihre Vordenker hören und daraus Geschäftsmodelle entwickeln. Eugene Clark hat den Gabelstapler erfunden, Malcolm McLean den Container eingeführt, Gottfried Schenker den Bahnsammelgutverkehr und Hanspeter Stabenau die BVL gegründet. Solche Menschen waren ihrer Zeit schon immer voraus und für diese Meilensteine und ihre Macher muss man die Trommel rühren. Sie geben der Logistik ein Gesicht und nichts motiviert mehr als Vorbilder.

Fast alle ausgezeichneten Logistiker sind älter als 50 Jahre – braucht es in der Logistik so lange, bis sich Innovationen bewähren oder fehlt es jüngeren Logistikern an neuen Ideen?

Wer zum Beispiel in die Logistik Hall of Fame aufgenommen werden will, der muss etwas geleistet haben, das die gesamte Logistik vorangebracht hat. So etwas geht nicht von heute auf morgen und es dauert vielleicht auch etwas länger, bis ein solcher Fortschritt neidlose Anerkennung findet. Aber Leistung ist keine Frage des Alters. Den jungen Logistikern, die ich kenne, fehlt es sicher nicht an Ideen, schon eher an Förderern und ein bisschen auch am Mut, sich für eine große Auszeichnung zu bewerben.

Gehört es zum Selbstverständnis der Logistik, sich aktiv über Innovationen Gedanken zu machen oder wird diese Denke eher anderen Branchen überlassen?

Nur noch in der katholischen Kirche liegen Innovation und Bedenken näher zusammen als in der Logistik. Spaß beiseite. Jede Innovation zerstört ein bestehendes Geschäftsmodell, im Zweifel auch das eigene. Diese Tatsache hält nicht nur in der Logistik die Unternehmen immer wieder davon ab, wirklich innovativ zu sein. Zum anderen sieht sich die Logistik selbst als Dienstleisterbranche und wartet lieber darauf, dass andere Disziplinen erfinden, was man vielleicht irgendwann gebrauchen kann. Statt selber den Takt vorzugeben, zu forschen oder Innovationen voranzutreiben, argumentiert man gerne mit „das Potenzial ist ausgereizt“, „unsere Kunden geben das vor“ oder „wir sind ja n u r Dienstleister“. Ich höre das oft und es ärgert mich jedesmal. Hätte zum Beispiel Gottfried Schenker vor 100 Jahren so argumentiert, würde es Schenker heute nicht geben.

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