Newsticker

Logistik-Indikator im zweiten Quartal 2014

Logistikindikator

Nach dem leichten Dämpfer zum Jahresauftakt sind die Zeichen für die Logistikkonjunktur in Deutschland wieder deutlich auf Expansion gerichtet. Hierauf weist die jüngste Erhebung (Junibefragung) zum Logistik-Indikator hin, den das Institut für Weltwirtschaft im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) ermittelt.

Das Gesamtklima legte um gut 8 auf nunmehr 138,8 Punkte zu. Die günstigere Konjunkturbeurteilung ist vor allem auf eine verbesserte Lageeinschätzung (Anstieg um 11,3 auf 133,4 Zähler) zurückzuführen, während die Erwartungen für die kommenden 12 Monate nur leicht um 5 auf 142,2 Indexpunkte zulegen konnten. Maßgeblich trug die Anbieterseite (Logistikdienstleister) zur konjunkturellen Stimmungsaufhellung bei: während sich das Dienstleisterklima kräftig um 14,5 auf jetzt 145,8 Punkte verbesserte, verharrte der Wert für die Logistikanwender in Industrie und Handel nahezu auf seinem Vorquartalswert (Anstieg um 1,9 auf 129,7 Zähler).

Hinsichtlich der kurzfristigen Konjunkturtendenz (Geschäftsentwicklung im nächsten Quartal) ist die Zuversicht auf der Anbieterseite indes verhaltener als bei den Anwendern. Per Saldo erwarten 22 Prozent der Anbieter und 38 Prozent der Anwender eine Verbesserung der Geschäftslage bzw. der Nachfrage nach Logistikleistungen.

Das deutlich aufgehellte Konjunkturklima seitens der Logistikdienstleister spiegelt vor allem eine deutlich günstigere Lageeinschätzung im zweiten Quartal wider. Der entsprechende Indikator zog auf breiter Front kräftig um 18,9 auf 145,8 Punkte an. Ein derart hohes Niveau wurde zuletzt vor drei Jahren erreicht. Dies mag erklären, warum der Optimismus der Befragten hinsichtlich einer weiteren Verbesserung in den nächsten drei Monaten etwas verhaltener ausgefallen ist. Der Ausblick auf die kommenden 12 Monate hat sich demgegenüber merklich um 10 auf 147,3 Zähler verbessert. Auch dieser Wert markiert ein 3-Jahres-Hoch, wobei alle Erwartungskomponenten sehr ausgewogen auf eine weitere Expansion hindeuten, so dass der positive Ausblick über die weitere Geschäfts- und Auftragsentwicklung durch eine entsprechende Bereitschaft zum Ausbau der Personal- und Sachkapazitäten begleitet ist.

Das nur geringfügig verbesserte Geschäftsklima der Logistikanwender in Industrie und Handel beruht ausschließlich auf einer leicht besseren Lageeinschätzung (Anstieg um 3,8 auf 122,3 Punkte). Diese wiederum geht auf eine im Markt als weniger knapp wahrgenommene Kapazitätsverfügbarkeit zurück, was in der Tendenz (wenn auch nicht der Stärke nach) die Einschätzung der Logistikanbieter bestätigt. Hinsichtlich der Erwartungen für die kommenden 12 Monate hat es lediglich Verschiebungen gegeben; bei leicht verbesserten Geschäftsaussichten haben die Einschätzungen hinsichtlich der zusätzlichen Logistikbedarfe auf hohem Niveau leicht nachgegeben. Darüber hinaus steht nunmehr den wieder deutlicheren Absichten zum Beschäftigungsaufbau eine nicht mehr ganz so starke Ausweitung der Sachkapazitäten gegenüber.

Von der derzeitigen Staatskrise in der Ukraine sowie möglichen Sanktionen gegen Russland gehen nach Ansicht der Befragten derzeit keine dauerhaften negativen Effekte auf die Logistikwirtschaft in Deutschland aus. Hinsichtlich der kurzfristigen Wirkungen zeigt sich die Anbieterseite robuster als die Anwender. Fast die Hälfte der befragten Logistikdienstleister erwarten keinerlei negative Wirkungen (bei den Industrie- und Handelslogistikern sind es nur 2,5 Prozent). Aber auch die Anwenderseite sieht derzeit allenfalls temporäre Wirkungen. Die eine Hälfte unter ihnen rechnet mit temporären Einbußen, während die andere davon ausgeht, dass mögliche Beeinträchtigungen durch ein lebhafteres Geschäft mit anderen Ländern kompensiert werden kann. Auf der Anbieterseite teilen 29 Prozent bzw. 18 Prozent diese Einschätzungen.

Hohe Erwartungen, gute Lage
Kommentar von Prof. Dr.-Ing. Raimund Klinkner, Vorsitzender des Vorstands, Bundesvereinigung Logistik (BVL)

Experten in Industrie und Handel sehen mit Zuversicht auf ihre Wertschöpfungsketten – und mutig in ihre Zukunft: Die Lage sei deutlich besser als „normal“, das Konsumklima bleibe gut, die Erwartungen fallen daher noch rund 20 Prozent besser aus, als die ohnehin schon gute Lagebeurteilung. Sind diese Ergebnisse noch zu toppen?

Ja, durch die Logistik-Dienstleister. Sie spiegeln im Indikator, dass Lage, Klima und Erwartungen im zweiten Quartal 2014 die höchsten Werte seit drei Jahren erreicht haben. Die Wirtschaft in der Eurozone sei Dank Deutschland auf Wachstumskurs, das Bruttoinlandsprodukt der Wirtschaftsunion wächst laut Eurostat um 0,2 Prozent, die deutsche Wirtschaft gar um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, insgesamt sollen es in 2014 sogar 1,9 Prozent werden. Bemerkenswert: Die Wachstumsimpulse für Deutschland kommen jetzt aus dem Inland, nicht mehr – wie in den vorherigen Quartalen – aus dem Export. Im Bundeswirtschaftsministerium wird von Deutschland als „Wachstumslokomotive Europas“ gesprochen – mit positiven Tendenzen am Arbeitsmarkt, steigenden Einkommen und hervorragendem Konsumklima.

Ein wenig Wasser muss aber doch noch in den Wein der Euphorie gegossen werden: Wenn Lage, Klima und Erwartungen nahe beieinander liegen, so kann das ein Signal für das Erreichen eines Wendepunktes sein. Denkbare Auslöser dafür gibt es einige: Mindestlohn, Rentenbeschlüsse und eine aus der Ukraine in die russische Wirtschaft wirkende politische und wirtschaftliche Krise machen sich bemerkbar. Mitte Mai sprachen Beiratsmitglieder der BVL auf ihrer Jahrestagung davon, dass Absatzpläne für Russland um bis zu 20 Prozent korrigiert werden mussten und selbst bei erteilten Großaufträgen zurzeit eher „abwarten“ angesagt sei, als dynamisches Voranschreiten. Bei den BVL-Fachforen auf der Leitmesse CeMAT, brachte es ein Wirtschaftsexperte deutlich auf den Punkt: Derzeit sei es schon ein Erfolg, wenn Veranstaltungen zu deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen nicht abgesagt werden, betonte Alexej Savinskiy von der Kontaktstelle Mittelstand in Russland des BDI. Seine Hoffnung sei, „dass wir uns von Entwicklungen nichtwirtschaftlicher Natur nicht irritieren lassen“, sagte er über die Chancen des russischen Marktes. Er könne mit Genugtuung feststellen, dass ein Rückzug aus Russland für die Mehrzahl der großen Unternehmen nicht infrage komme. Die Potenziale seien durch den Anteil der Hochtechnologien, die für Automatisierung und Intralogistik in Russland benötigt würden, außerordentlich hoch.

Genießen wir in wirtschaftlich „heißen“ Zeiten die zuversichtliche Wirtschaftslage, das gute Klima und die noch besseren Erwartungen. Um in der Metapher von Wein und Wasser zu bleiben: Sommerwein muss genossen werden, sobald er auf dem Markt ist. Im nächsten Winter könnte er schon viel von seiner Spritzigkeit verloren haben.

Quelle: BVL

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*