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Interview mit Prof. Dr. Michael ten Hompel, Geschäftsführender Institutsleiter Fraunhofer-Institut Materialfluss und Logistik, Dortmund

Wo steht die Logistikbranche in Deutschland in Sachen „Innovationsfreudigkeit“ im Vergleich zu anderen Ländern?

Vor einigen Tagen hatten wir am IML Besuch von einigen Bankern. Es ging um die Frage, wie man das Investitions- und Innovationsklima in der deutschen Logistik verbessern kann. Es ist symptomatisch, dass Banken mittlerweile die Notwendigkeit sehen, insbesondere Mittelständler zu mehr Investitionen im Bereich der Forschung und Entwicklung zu motivieren. Aber die Unternehmen verstricken sich zunehmend in monatelangen Return-on-Invest-Betrachtungen und beklagen anschließend, dass die Konkurrenz aus USA und China ihnen den Rang abläuft.

Wenn Facebook zwei Milliarden Euro in Datenbrillen investiert, Amazon 750 Millionen für Kiva ausgibt und Google in nur zwei Jahren 17 Milliarden in Roboter- und Technologieunternehmen investiert, muss man nicht lange nachdenken, um zu sehen, wo die Reise hingeht. Da können und müssen wir in Deutschland mithalten. Die Ausgangsposition wäre gut, denn mit dem „Internet der Dinge“ und der „vierten industriellen Revolution“ adressieren wir Themen mit hohem Markt- und Innovationspotenzial.

Was sind die Charaktereigenschaften eines innovativen Unternehmens?

Nur jede hundertste Idee führt zu einer disruptiven Innovation. Diese Idee zu erkennen und dann konsequent und schnell umzusetzen, zeichnet innovative und erfolgreich Unternehmerinnen und Unternehmer aus. Man muss eben viele Frösche küssen, um einen Prinzen zu bekommen. Innovative Unternehmen sind dazu bereit. Sie sind schneller als andere, sie beschäftigen sich permanent mit der Nutzung neuer Technologien, mit der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und der Erschließung neuer Märkte. Die wichtigsten Eigenschaften eines innovativen Unternehmens sind jedoch unternehmerischer Mut und Tatkraft. Das sind Eigenschaften, die scheinbar aus der Mode gekommen sind. Heute scheint es wichtiger zu sein, die richtigen Formulare auszufüllen, als sich für eine Idee zu begeistern.

Was müssen wir tun, um Innovationen gezielt voranzutreiben? Woran fehlt es heute?

Kommen Sie zu uns und schauen Sie es sich an. Im Fraunhofer IML und in dem EffizienzCluster beschäftigen wir uns von morgens bis abends mit Innovationen. Die Welt beneidet uns um diese Einrichtungen und die Möglichkeit, angewandte Forschung und Entwicklung bis zur Produkteinführung zu betreiben. Auch die Politik ist aufgerufen, durch andere Förderung und Abschreibungsmöglichkeiten eine höhere Innovationsgeschwindigkeit zu ermöglichen. Wenn wir heute in Europa einen Förderantrag stellen, bekommen wir frühestens nach einem Jahr das erste Geld. Das ist bei vielen grundlegenden Themen ausreichend; für die Anwendungsentwicklung kommt das Geld häufig zu spät. Kurz gesagt: Seien Sie mutiger und folgen Sie auch mal wieder Ihrer Intuition.

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