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E-Commerce – Wachstum und Erfolg mit innovativen Strategien

Von links nach rechts zu sehen: Thomas Wiesmann, Beumer Maschinenfabrik Gmbh; Enrico Freitag, BLG Handelslogistik; Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen, Leiter des Instituts für Transportlogistik; Dr. Thomas Ogilvie, DHL Paket; Markus Muschkiet, Zalando. (Quelle: Christian Tesch, ITL)

Zum jährlichen Forum Transportlogistik trafen sich auf Einladung des Instituts für Transportlogistik (ITL) rund 60 Experten aus der Logistik am 19. November 2014 an der TU Dortmund. Das Thema dieses Jahr: „E-Commerce – Wachstum und Erfolg mit innovativen Strategien“. Fünf Vorträge gaben einen breiten Überblick und Stoff für intensive Diskussionen.

Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen, Leiter des gastgebenden Instituts für Transportlogistik (ITL), führte kurz in das Thema ein und gab einen allgemeinen Überblick. „Der E-Commerce ist das innovative Rückgrat des Versandhandels und entscheidender Wachstumsmotor. Allerdings stellt er die beteiligten Akteure durch die neuen Vertriebskanäle, steigende Sendungsaufkommen und die Atomisierung der Sendungen vor neue Herausforderungen“, so der Leiter des ITL. So sei zum Beispiel ein effizientes Retourenmanagement unerlässlich, um Kunden dauerhaft an sich zu binden: „Wer Retouren erschwert, erschwert den Umsatz der Zukunft.“

Dr. Thomas Ogilvie, Senior Vice President bei DHL Paket, sieht durch den wachsenden E-Commerce einen Paradigmenwechsel in der Transportlogistik, was er in seinem Vortrag näher ausführte. „Bisher war die Strategie großer Logistikunternehmen stark auf Transaktionen und Handel zwischen Institutionen und Unternehmen ausgerichtet“, sagte Ogilvie. Dies sei allerdings im Zeitalter des E‑Commerce nicht mehr ausreichend: „Eine bisher in der Logistik ignorierte Variable rückt nun in den Mittelpunkt – der Konsument.“ DHL Paket stelle sich auf diese geänderten Anforderungen ein: So werde die Paketinfrastruktur, bspw. durch Packstationen und Paketkästen, immer weiter auf die Bedürfnisse der Privatkunden angepasst. Aufgrund der vergleichsweise geringen Fahrtstrecken und Durchschnittsgeschwindigkeiten der Zustellfahrzeuge verfolge man sehr aufmerksam die Entwicklungsfortschritte im Bereich der alternativen Antriebe.

Markus Muschkiet, Senior Manager Operative Transport Logistics beim Onlinehändler Zalando, berichtete aus der Perspektive eines Versenders. Mittlerweile arbeite Zalando in Europa mit zehn verschiedenen Logistikunternehmen zusammen: „Dabei entscheidet nicht nur der Preis, sondern vor allem auch der Service darüber, mit welchem Unternehmen wir in welchem Land kooperieren.“ Bei der Logistikplanung setze Zalando, soweit möglich, auf eigenentwickelte Software, die den Bedürfnissen des Unternehmens entspreche. Wichtig sei vor allem, den Kunden die Ware möglichst schnell zukommen zu lassen, da die Zahl der Stornierungen mit der Länge der Lieferzeit zunehme. In der Vergangenheit habe die Anzahl der Sendungen parallel zu den Neukunden immer weiter zugenommen. Inzwischen steige auch die Anzahl der Produkte in den einzelnen Paketen.

Die Entwicklung und die Montage von Sortier- und Verteilsystemen für logistische Anlagen ist das Geschäftsfeld der Beumer Maschinenfabrik GmbH. Aufgrund der zunehmenden Nachfrage durch den E-Commerce ist der Bedarf an solchen Anlagen zurzeit besonders groß. „Die Kunden rennen uns z. Z. die Türen ein. Der Preis spielt eine untergeordnete Rolle, wichtiger ist die Lieferzeit“, berichtet Thomas Wiesmann, Director Sales bei dem Familienunternehmen. Viele Sortieranlagen seien auf das traditionelle Paketspektrum ausgerichtet – also relativ große Pakete. „Heutzutage sind die Pakete kleiner, dafür gibt es aber deutlich mehr“, so Wiesmann. Die Leistung bestehender Anlagen sei so gut wie ausgereizt, diese müssten ertüchtigt oder durch neue Entwicklungen ersetzt werden, um die gestiegenen Ansprüche der Kunden (schnelle Lieferungen, enge Lieferfenster) bewältigen zu können. So arbeite Beumer etwa an der maschinengestützten Bulkentladung von LKW und Wechselbrücken, um so die Leistung zu erhöhen und gleichzeitig die Mitarbeiter in logistischen Anlagen zu entlasten.

Enrico Freitag, Leiter Vertrieb & IT bei BLG Handelslogistik, berichtete in seinem Vortrag von den Herausforderungen bei der Umsetzung der Multi-Channel-Strategie von Tchibo, für die BLG als Logistikdienstleister tätig ist. Eine bereits bestehende Anlage in Bremen wurde entsprechend um- und ausgebaut, um den neuen Anforderungen zu entsprechen. Die Anlage am Bremer Standort ist zuständig für die Direktversorgung aller nord-und mitteldeutschen Verkaufsstellen von Tchibo, die europaweite Nachversorgung aller Verkaufsstellen sowie den Versand an Online-Kunden. Eine große Herausforderung bestehe in den ständigen Anpassungen des etwa 5.000 Artikel umfassenden Sortiments. Aufgrund dessen habe nicht nur die Leistungsfähigkeit der Anlage verbessert, sondern auch deren Flexibilität erhöht werden müssen. Die dafür notwendigen Umbaumaßnahmen, die Herr Freitag mit rund 50 Millionen Euro bezifferte, seien in einzelnen Baustufen bei laufendem Betrieb durchgeführt worden.

Im abschließenden Vortrag erläuterte Dr. Tobias Schulz die Herausforderungen des Same-Day-Delivery-Konzepts. Dr. Schulz arbeitet als Senior Business Consultant Logistik bei der Quintiq GmbH, welche sich auf die Entwicklung von Supply-Chain-Planungs- und Optimierungssoftware spezialisiert hat. Anhand verschiedener Beispiele aus dem In- und Ausland erläuterte er die verschiedenen Konzepte und Ansätze des Online-Lebensmittelhandels und die daraus resultierenden Anforderungen. Konkret ging er auf das Projekt mit einem Lebensmittelhändler in Großbritannien ein, der über die normalen Lebensmittel hinaus auch Eis ausliefert. Bei diesem galt es infolge der ‚Ice Bucket Challenge‘ die Disposition und Tourenplanung der Auslieferungsfahrzeuge zu optimieren. „Um die Auslieferung kundenfreundlich und gleichzeitig effizient zu gestalten, ist es wichtig, Lieferrouten mittels Prognosen und dynamischer Optimierung zu gestalten“, so Dr. Schulz.

Prof. Dr.-Ing. Clausen schloss die Veranstaltung zufrieden ab: „„Dieser Tag hat uns gezeigt, welche Bedeutung der Onlinehandel inzwischen für den Handel hat und zukünftig haben wird. Nun gilt es, die Logistik gezielt für jeden der Vertriebswege weiterzuentwickeln und die Prozesse so miteinander zu verzahnen, dass bestmöglicher Service zu wettbewerbsfähigen Kosten und bei möglichst geringer Belastung der Umwelt angeboten werden kann.“

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