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Seifert erschließt GUS-Staaten

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Bis vor Kurzem liefen die Geschäfte gut, wenn es Richtung Osten ging. Die Seifert Logistics Group unterhält fünf Standorte in Polen – quasi das Transitland für die GUS-Staaten. Krise, Bürokratie und Wartezeiten machen das Transportgeschäft ins ehemalige Zarenreich volatil und nagen an der Marge. Logistikdienstleister spüren die Konflikte um die Halbinsel Krim deutlich.

„70 Prozent des Volumens mit Bestimmungsort Russland geht über Polen“, erklärt Jan Brachman, Geschäftsführer der 1999 gegründeten Seifert Polska, einer Tochter der Seifert Logistics Group. Und die Transporte nach Osten lohnten sich auch wegen ihrer schieren Menge. „Zunächst managten wir die Russlandfahrten von Ulm aus, schon wenige Jahre später haben wir das Geschäft nach Polen verlagert. Heute betreiben wir fünf Standorte in Polen“, fasst Brachmann zusammen. Im Januar 2014 kamen 7500 Quadratmeter Fläche für moderne Büros, Lagerhallen und ein top-ausgestattetes Gefahrgutlager dazu. Der Standort Kattowitz liegt am Autobahnkreuz A4 sowie der Schnellstraße S1 und beschäftigt 40 Mitarbeiter. Moderne Hochregaltechnik macht 10.000 Palettenstellplätze möglich, mit neun Rampen werden die Mitarbeiter von Seifert Polska der täglichen Lkw-Flut Herr. Das Lager ist sowohl beheizbar als auch für die Pharmaindustrie klimatisiert – je nach Kundenwunsch.

In 15 bis 20 Lkw-Ladungen täglich fährt Seifert Polska neben Elektronikprodukten, Ersatzteilen, Papier und Baumaterial auch Luxusartikel, Joghurt und Süßigkeiten nach Russland. „Die Russen haben einen großen Hunger nach Konsumgütern. Made in Germany ist hier besonders gefragt“, weiß Brachmann. Ursprünglich gestartet sind die Waren aber in Deutschland und den Benelux-Staaten. Auf dem Rückweg transportieren sie Stahlerzeugnisse, Ersatzteile und Komponenten für den Automotive-Markt. Mehr als die Hälfte aller Fahrzeuge kommt allerdings leer zurück. „Wenn wir beispielsweise an den Stahlhütten Fracht aufnehmen, verlieren wir mindestens einen Tag mit Bürokratie, Ladungssicherung und Zoll“, sagt Brachmann. Da seien Leerfahrten oftmals günstiger, als einen ganzen Tag auf die Fahrzeuge zu verzichten. Schnellere Abwicklung und bessere Öffnungszeiten der Zollbehörden würden das Russland-Geschäft einträglicher machen, und den Markt attraktiver, weiß der gebürtige Pole. Dazu kommt, dass sich wenige russische und weißrussische Frachtführer überhaupt ins Ausland wagen. Oftmals ist veraltetes Equipment auf den Straßen unterwegs, sodass die in Europa geltenden Emissions- und Sicherheitsrichtlinien nicht erfüllt würden. „Das ist für einen Frachtführer aus Osteuropa mit erheblichen Kosten verbunden. Meistens lohnt es sich also, einen polnischen oder deutschen Spediteur zu beauftragen“, erläutert Brachmann den Markt.

Hinsichtlich der Krim-Krise macht sich auch beim Ulmer Familienunternehmen  Unsicherheit breit, denn die Transporteure sind die ersten, die Embargos oder Sanktionen zu spüren bekommen. Zur Zeit beispielsweise macht der Kreml Propaganda für einheimische Produkte. Das heißt, dass Waren aus dem Westen weniger nachgefragt werden und schlechtere Einfuhrbedingungen bekommen. „Natürlich fahren jetzt nicht alle Russen plötzlich Lada“, weiß der GUS-Experte bei Seifert. Das heißt, dass EU-Produkte zwar keinen direkten Zugang zum Land bekommen. Allerdings finden viele Gegenstände des täglichen Bedarfs sowie Ersatzteile über Drittländer einen Weg ins ehemalige Zarenreich. „Wir verstoßen dabei nicht gegen Sanktionen“, stellt Brachmann klar, „Der Markt findet andere Abnehmer, beispielsweise aus Weißrussland.“

Was von der Ukraine aus nach Westeuropa soll, wird intermodal transportiert. Zunächst über die Schiene bis Polen. „In Kattowitz schlagen wir am Containerbahnhof auf Lkw um, dann geht es weiter.“

Insgesamt muss Seifert im Russlandgeschäft flexibler und vor allem kreativer agieren, als vor dem Ukraine-Konflikt. „Wir haben genügend Genehmigungen für den Verkehr in den GUS-Staaten bekommen.“ Auch spüren Brachmanns Leute keinen Hass oder eine negative Einstellung gegenüber dem Westen. Mit einem guten Netzwerk und Fingerspitzengefühl tastet sich das inhabergeführte Unternehmen weiter voran. „Sollten sich Sanktionen oder Embargos einstellen, sehe ich schwarz“, so der Geschäftsführer. Denn Russland gehört für das Familienunternehmen zu einer wichtigen Zielregion. Nach Deutschland, Frankreich und anderen europäischen Ländern rangiert Russland im Seifert-Ranking auf Platz fünf.

(Quelle: Seifert)

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