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Nellen & Quack und SLK-Kock gründen gemeinsame Stückgut-Produktionsgesellschaft

Die Speditionen SLK-Kock in Schüttorf und Nellen & Quack – THE GREEN LINE in Gronau (Westfalen) haben im März 2015 die ECH EuregioCargoHub GmbH gegründet. An dem Unternehmen sind die beiden Speditionen zu gleichen Teilen beteiligt.

Die Produktionsgesellschaft wird für die benachbarten Speditionen als Dienstleister die operative Stückgutabwicklung mit Nahverkehr, Umschlag und Stückgutlinienführung übernehmen. Zum Geschäftsführer der ECH wurde Michael Ketteler, zuvor Leiter Landverkehre bei Nellen & Quack, berufen. Den Geschäftsbetrieb wird ECH im Januar 2016 aufnehmen, wenn ihr Terminal direkt am Kreuz Schüttorf, dem Schnittpunkt der Autobahnen A 30 und A 31, fertiggestellt sein wird. Der symbolische „erste Baggerbiss“ für ECH, das 4.500 Quadratmeter Umschlagfläche und 50 Verladetore bieten wird, fand am 15. April 2014 statt.

Stückgutspedition 4.0
Die Speditionen Nellen & Quack – THE GREEN LINE und SLK-Kock in Schüttorf kooperieren seit Juni 2014 miteinander und machen sich nun gemeinsam daran, mit ECH als gemeinsamer Produktionsgesellschaft die „Stückgutspedition 4.0“ ins Leben zu rufen. Das Konzept erläutert Uwe Brehm, Geschäftsführer von Nellen & Quack – THE GREEN LINE: „Stückgutspedition 1.0 war die bahnamtliche Spedition, 2.0 war der Aufbau eigener Fernverkehre, 3.0 die Organisation in Kooperationen – und nun kommt mit der Stufe 4.0 das Outsourcing der gesamten Stückgutproduktion.“

Beide Unternehmen bleiben selbständig und auch Partner ihrer jeweiligen Stückgutkooperationen: SLK-Kock ist Mitglied im Stückgutnetz S.T.a.R, Nellen & Quack – THE GREEN LINE ist bei 24plus logistics network organisiert. Beide Unternehmen verzeichnen im Stückgutgeschäft wachsende Sendungsmengen. ECH wird zunächst als Dienstleister für ihre beiden Muttergesellschaften tätig werden. Später wird die Produktionsgesellschaft ihre Dienste auch anderen mittelständischen Stückgutspeditionen anbieten.

„Wenn benachbarte Stückgutspeditionen überhaupt zusammenarbeiten, dann hauptsächlich im Fernverkehr“, erklärt Uwe Brehm die Hintergründe der Zusammenarbeit. „Üblicherweise gibt die eine Spedition als Beilader der anderen Spedition einige Sendungen ab. Wenn es hoch kommt, steuert jeder Partner eine Wechselbrücke für einen gemeinsamen Linienverkehr bei.“ Damit, so Brehm, könnten Speditionen die Effizienz zwar steigern, Einsparungspotenziale würden aber nur zu einem Bruchteil ausgeschöpft. „Außerdem bewirkt das Modell, dass zwei Partner jeweils eine Wechselbrücke für einen Linienverkehr beisteuern, automatisch Konflikte“, erläutert Brehm. „Der erste Knackpunkt entsteht bei der Wahl des Empfangspartners. Der zweite ist die unterschiedliche Mengenentwicklung. Gewinnt ein Partner dauerhaft auf der gemeinsamen Relation mehr als sieben Lademeter, wird die Partnerschaft hinfällig.“

Der gemeinsame Ansatz des ECH EuregioCargoHubs geht deshalb weit über das Modell geteilter Linienverkehre hinaus. „Wir legen nicht nur Geld zur Errichtung einer gemeinsam genutzten Immobilie zusammen, sondern vergeben den Umschlag, den Nah- und den Fernverkehr einem gemeinsamen Outsourcingpartner, der dank der vergrößerten Sendungsmengen und hochstandardisierter Prozesse viele Synergieeffekte realisieren kann“, betont Manfred Kock, geschäftsführender Gesellschafter von SLK-Kock. „Vor allem verbessert sich die Auslastung der Nah- und Fernverkehre und damit auch die Wirtschaftlichkeit.“ Weitere Einsparungspotenziale bieten sich in der Disposition, der Schaden- und Palettenabteilung oder im Einkauf von Transportdienstleistungen. Auch die Kunden sollen von der Zusammenarbeit profitieren, betont Manfred Kock: „Bei der gebündelten Abholung und Zustellung von Stückgütern hat der Kunde weniger Abfertigungsprozesse. Auch hilft dies, die Rampenproblematik zu entschärfen.“

Für das Partnerschaftsmodell wird nicht allein eine neue Immobilie errichtet, vielmehr bedeutet das neue Konzept einen tiefen Eingriff in die betrieblichen Abläufe. ECH fungiert als Dienstleister der beiden Speditionen. Vertrieb und Kundenservice hingegen bleiben bei den jeweiligen Speditionen. Diese werden auch ihre Mitgliedschaft in den Stückgutnetzen 24plus und S.T.a.R. aufrecht erhalten. Dabei will sich ECH die Vorteile der jeweiligen Plattformen zunutze machen: Palettiertes Stückgut in Standard-Abmessungen soll ab Schüttorf zukünftig überwiegend in das 24plus-Netz eingespeist werden. Dank seines zweistufigen Aufbaus – bei 24plus werden 80 Prozent des Sendungsvolumens über wirtschaftliche Direktverkehre abgewickelt und nur 20 Prozent laufen über Hubs – eignet sich dieses Netzwerk für große Sendungsmengen. Uwe Brehm: „Im 24plus-Netz haben wir die Möglichkeit, paarige Direktverkehre aufzubauen, wir erhalten also auf unseren Linien von unseren Partnern Rückladungen.“ Im Netzwerk der S.T.a.R. Stückgutsystemkooperation hingegen, welche vorrangig HUB-gesteuert ist, können beide Partner nicht nur palettierte Sendungen, sondern auch Langgüter bis sechs Meter und sperrige Güter einspeisen.

IT-Integration
Wie bei der Industrie 4.0 ist auch bei der Stückgutspedition 4.0 die IT-Integration ein wesentlicher Punkt. „Unser Outsourcingmodell wird erst durch IT-Integration und Plattformen wie 24plus und S.T.a.R. möglich“, erklärt Uwe Brehm. Bei der Schaffung einer IT-Lösung für ECH hat die Systemzentrale der Stückgutkooperation 24plus ihre Unterstützung zugesagt. Dabei werden alle qualitätsrelevanten Sendungsdaten im Rechenzentrum der Euro-Log AG als IT-Dienstleister von 24plus bearbeitet und der EuregioCargoHub GmbH zur Verfügung gestellt. Diese wiederum stellt die Daten jeweils neutral ihren Kunden SLK-Kock und Nellen & Quack – THE GREEN LINE zur Verfügung. Damit sind die Speditionen gegenüber ihren Kunden exakt so auskunftsfähig wie in der Vergangenheit.

Die gesamte Euregio als Verteilergebiet
Das Verteilergebiet der ECH EuregioCargoHub GmbH umfasst den gesamten deutsch-niederländischen Kommunalverband Euregio. Dieser erstreckt sich über das Münsterland, das südwestliche Niedersachsen und die östlichen Niederlande bis hin zur Nordseeküste. In der wirtschaftlich starken Europaregion leben 3,5 Millionen Menschen. „Durch unsere Flächendeckung in der Region sind wir nach der Fertigstellung unseres Terminals sicher ein interessanter Partner für andere mittelständische Stückgutspeditionen“, erklärt ECH-Geschäftsführer Michael Ketteler.

Stückgutlandschaft in Bewegung
Die Zusammenarbeit zwischen Nellen & Quack – THE GREEN LINE und SLK-Kock im Rahmen der ECH EuregioCargoHub GmbH hat für die Beteiligten Vorbildcharakter für die Stückgutspedition in Deutschland. „Es gibt im Stückgutbereich einen starken Konzentrationsprozess“, erläutert Manfred Kock. „Um diesen abzufedern, haben Netze wie 24plus und ONLINE Systemlogistik oder VTL, ILN und S.T.a.R. eine strategische Zusammenarbeit beschlossen. Ebenso gibt es auf regionaler Ebene hohe Synergiepotenziale, die es zu heben gilt. Mit unserem Konzept sind wir deutschlandweit die ersten, die Stückgutspedition 4.0 betreiben.“

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