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BME: Deutsche Industrie schaltet im April einen Gang herunter

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Der saisonbereinigte Markit/BME Einkaufsmanager-Index (EMI) hat von seinem Elfmonatshoch im März geringfügig nachgegeben und ist im April von 52,8 auf aktuell 52,1 Punkte gesunken. Damit signalisiert das wichtige Konjunkturbarometer einen fortgesetzten, wenn auch abgeschwächten Aufwärtstrend im Industriesektor. Der leichte Index-Rückgang spiegelt zudem eine Verlangsamung des Produktions- und Auftragswachstums wider. Dennoch bewegte sich der EMI im April mittlerweile den fünften Monat über der Wachstumsmarke von 50 Punkten.

„Der jüngste Anstieg der Einkaufspreise wird von uns genau verfolgt. Hier spielt  der schwache Euro-Kurs eine wesentliche Rolle“, betonte Dr. Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Frankfurt. Die bröckelnde europäische Einheitswährung beeinflusse auch die Geschäfte deutscher Einkäufer. Feldmann: „Durch die anhaltende Kursabwertung steigen die Beschaffungskosten für Rohstoffe und Importe auf Dollarbasis. Höhere Materialpreise sind die Folge und treiben sowohl die Verbraucher- als auch die Produktpreise nach oben.“

„Im April hat der EMI seinen Aufwärtstrend beendet. Damit ist der Wachstumspfad aber nicht gleichsam eingedämmt“, sagte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, dem BME. Allerdings werde deutlich, dass auch 2015 die Bäume nicht in den Himmel wachsen. So bleibe die Helaba bei ihrer Prognose von 1,6 Prozent für das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr. Traud: „Auch wichtige Kennziffern wie Ölpreis und Euro verlieren an Schubkraft. So hat der Euro seine Trendwende bereits vollzogen und bewegt sich gemäß unserer Prognose bis zum Jahresende wieder auf 1,20 US-Dollar zu.“

„Im ersten Quartal 2015 bildete Europa zur Abwechslung einmal die positive Ausnahme: Während die US-Wirtschaft und Asien schwächelten, hat sich die Erholung in Euroland gefestigt“, kommentierte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, die aktuellen EMI-April-Daten. Das zeigten auch die neuesten Umfrage-Ergebnisse unter den deutschen Einkaufsmanagern. Dabei sei allerdings absehbar, dass sich die Stimmungskurve im kommenden Monat erst einmal nach unten bewegen dürfte, allein schon aufgrund des umfangreichen Bahnstreiks. „Für den mittelfristigen Ausblick der deutschen Wirtschaft ist es ganz wichtig, dass die Weltwirtschaft ihre Delle aus den ersten drei Monaten überwindet“, so Kater abschließend.

Für DIHK-Chefvolkswirt Dr. Alexander Schumann wirken „der Ölpreisrückgang und die Euroschwäche weiter, doch lässt der Schwung nach. Allein darauf kann die Konjunktur nicht mehr allzu lange bauen.“ Zudem zeige der schwächere Euro zunehmend seine Schattenseiten: Importe aus Drittstaaten verteuerten sich spürbar.

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick:

Industrieproduktion: Auch im April verzeichnete die Industrie einen soliden Produktionsanstieg. Allerdings schwächte sich die Zuwachsrate gegenüber März ab. Das größte Plus meldete die Investitionsgüterindustrie, bei den Herstellern von Konsum- und Vorleistungsgütern gestaltete sich der Anstieg eher moderat.

Auftragseingang: Die Auftragseingänge der Global Player und KMU erhöhten sich den fünften Monat in Folge, wenn auch geringfügiger als im März und im Langzeitdurchschnitt. Ähnlich wie bei den Gesamtauftragseingängen flachte auch bei den Exportgeschäften der Aufwärtstrend ab. Als zuträglich erwies sich hierbei nach wie vor der schwache Eurokurs. Die Nachfrage nach deutschen Industriegütern nahm vor allem in den USA zu.

Beschäftigung: Das Beschäftigungswachstum im Industriesektor dauert sein mittlerweile sieben Monaten an. Zudem kletterte die Einstellungsrate auf den höchsten Stand seit Beginn dieses Jahres.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Bei den Einkaufspreisen zeichnete sich der erste marginale Anstieg seit Januar 2014 ab. Eine nicht unerhebliche Rolle spielte hierbei der schwache Euro-Kurs, der für eine Verteuerung der Importe von Rohmaterialien und Halbfertigprodukten sorgte. Dem wirkte jedoch der nach wie vor niedrige Ölpreis entgegen. Die Hersteller erhöhten ihre Verkaufspreise den zweiten Monat in Folge in begrenztem Umfang. Die Teuerungsrate erreichte zwar den höchsten Stand seit August 2014, blieb aber dennoch sehr niedrig. Mit der Anhebung versuchten viele der Unternehmen, ihre gestiegene Kostenlast zumindest teilweise an ihre Kunden weiterzugeben.

Der Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Frankfurt. Er wird von der britischen Forschungsgruppe Markit Economics, Henley-on-Thames, erstellt und beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern/Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (Markit U.S.-PMI).

Quelle + Bildquelle: Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V.

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