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Grenzkontrollen belasten bayerische Speditions- und Logistikunternehmen

Der LBS – Landesverband Bayerischer Spediteure e.V. warnt vor dauerhaften Grenzkontrollen in Folge des Flüchtlingsstroms und verfolgt besorgt die Debatte über eine Aussetzung des Schengen-Abkommens. Eine zentrale Grundlage der europäischen Wettbewerbsfähigkeit ist der freie Warenverkehr innerhalb der EU. Dieser darf nach Auffassung des LBS nicht ausgesetzt werden.

Die Wiedereinführung von ständigen und umfassenden innereuropäischen Grenzkontrollen würde insbesondere die Konkurrenzfähigkeit der exportorientierten bayerischen und deutschen Wirtschaft angreifen. „Schon jetzt haben die Kontrollen negativen Einfluss auf die Arbeitsabläufe der bayerischen Speditions- und Logistikunternehmen“, sagt LBS-Geschäftsführerin Edina Brenner. „Unkalkulierbare Wartezeiten an den Grenzen erschweren die Disposition, verlängern die Transportzeiten der Güterverkehre und treiben die Kosten in die Höhe.“

Die Wertschöpfungsketten der hochgradig spezialisierten, arbeitsteiligen deutschen Wirtschaft sind darauf ausgelegt, dass Warenlieferungen Just-in-time ankommen und direkt weiterarbeitet werden. Speditions- und Logistikunternehmen kommen diesen Bedürfnissen nach und fahren ihrerseits exakt getaktete Güterverkehre. Die Touren der Fahrer sind darauf abgestimmt und gleichzeitig an die Vorschriften zu Lenk- und Ruhezeiten und das Arbeitszeitgesetz gekoppelt. Der Umgang mit Staus, Baustellen, Unfällen etc. gehört zum Alltag der Branche; die unkalkulierbaren Verzögerungen durch Grenzkontrollen belasten die Unternehmen aber unter finanziellen Gesichtspunkten zusehends. Begegnungsverkehre funktionieren nicht mehr reibungslos, Terminzusagen insbesondere im grenzüberschreitenden Verkehr und eine seriöse mittel-, bzw. langfristige Planung in diesem Segment sind nur noch eingeschränkt möglich.

„Sollten dauerhafte Grenzkontrollen entstehen, müssen nicht nur die Abläufe im Güterverkehr, sondern in vielen Bereichen der Industrie angepasst werden“, sagt Brenner. „Es steigen nicht nur die Transportkosten durch längere Fahrzeiten, sondern auch der Aufwand für zusätzliche Bürokratie, Lagerhaltung und neue Lieferstrukturen. In der Folge leidet darunter die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten deutschen Wirtschaft.“

Mit Blick auf die Situation der Flüchtlinge sagt die LBS-Geschäftsführerin: „Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, dass wir Menschen, die vor Krieg und politischer Verfolgung fliehen, Schutz gewähren. Da viele Flüchtlinge dauerhaft bleiben werden, gilt es zudem, sie bestmöglich in unsere Gesellschaft zu integrieren.“

Um das deutsche Asylsystem nicht zu überfordern, ist es aus Sicht des LBS aber unerlässlich, dass die europäische Politik alles für die Bekämpfung von Fluchtursachen und die Sicherung der europäischen Außengrenzen tut. „Statt Ressourcen für verstärkte innereuropäische Grenzkontrollen einzusetzen, müssen die südeuropäischen Staaten stärker bei der Sicherung der Außengrenzen unterstützt werden“, sagt Brenner. „Das Projekt Europa ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern eine gesamtgesellschaftliche Errungenschaft, die nicht aufs Spiel gesetzt werden darf.“

Quelle: LBS

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