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Ruanda startet weltweit ersten nationalen Drohnenzustelldienst mithilfe von Zipline

Zipline: Abwurf Drohne

In einer Zeremonie im zentral gelegenen Muhanga-Bezirk des Landes eröffnete Ruandas Präsident Paul Kagame am 14. Oktober den weltweit ersten staatlichen Drohnenzustelldienst. Ab sofort beginnt die ruandische Regierung damit, Drohnen dafür einzusetzen, um pro Tag bis zu 150 angeforderte Notfall-Lieferungen von lebensrettendem Blut an 21 Transfusionseinrichtungen in der westlichen Landeshälfte zu liefern.

Die Drohnen sowie die Zustellung werden von Zipline, einem in Kalifornien ansässigen Robotik-Unternehmen gebaut und betrieben. Während Ruandas Drohnen-Zustelldienst zunächst auf Blutkonserven fokussiert ist, wird eine internationale Partnerschaft zwischen UPS, der Impfstoff-Allianz Gavi sowie Zipline dem Land dabei helfen, seine Lieferungen um notwendige Medikamente und lebensrettende Impfstoffe schnell zu erweitern.

„Drohnen sind äußerst hilfreich, sowohl kommerziell als auch um die Dienstleistungen im Gesundheitssektor zu verbessern. Wir freuen uns, diese innovative Technologie einsetzen und sie zudem kontinuierlich mit unseren Partnern weiterentwickeln zu können“, so Ruandas Präsident Paul Kagame.

Das globale Problem

In allen Entwicklungsländern wird der Zugang zu lebensrettenden und gesundheitsrelevanten Produkten durch das behindert, was als die Problematik der „letzten Meile“ bekannt ist: das Unvermögen, dringend benötigte Medikamente aus der Stadt in ländliche oder abgelegene Orte zu liefern, weil es an der adäquaten Transport-, Kommunikations- und Lieferketteninfrastruktur mangelt.

In Ruanda zählen postpartale Blutungen zu den häufigsten Todesursachen bei Müttern. Blut benötigt jedoch sowohl bei Lagerung als auch Transport eine sichere, konstante Temperatur, da es ansonsten schnell verdirbt. Da es bei vielen verschiedenen Blutprodukten jedoch keine Möglichkeit gibt, den künftigen Bedarf genau vorherzubestimmen, ist es vielen Krankenhäusern für Transfusionsmedizin nicht möglich, das gesamte benötigte Blut entsprechend „auf Vorrat“ zu lagern.

Während Ruandas langer Regenzeit werden viele der Straßen ausgewaschen, unpassierbar oder verschwinden zur Gänze. Dies hat zur Folge, dass allzu oft Menschen, die eine lebensrettende Transfusion brauchen, das zum Überleben dringend benötigte Blut nicht erhalten.

Die Lösung

Ruandas staatliches Drohnenzustellprogramm ermöglicht es Bluttransfusionskliniken in der gesamten westlichen Hälfte des Landes, Notfall-Bestellungen per SMS-Nachricht anzufordern. Die Aufträge gehen bei Zipline ein, das einen Stützpunkt – bekannt als das „Nest“ – in der Muhanga-Region betreibt, wo das Unternehmen eine Flotte von 15 Drohnen, genannt „Zips“, unterhält.

Jede Zip kann hin und zurück insgesamt bis zu 150 km fliegen – und das auch bei Wind und Regen. Dabei können bis zu 1,5 kg Blut befördert werden, also genug, um ein Menschenleben zu retten. Zips starten und landen im „Nest“. Kurz vor dem Lieferziel verringert die Drohne ihre Flughöhe und wirft die benötigte medizinische Lieferung in Bodennähe an einer zuvor genau festgelegten Stelle in der Nähe der jeweiligen Gesundheitseinrichtung, einer sogenannten „Mailbox“, ab. Zipline wird pro Tag 50-150 solcher Notfalltransporte fliegen und dabei bis zu 21 Transfusionskliniken in der westlichen Hälfte Ruandas erreichen. Aufträge können innerhalb von etwa 30 Minuten erfüllt werden.

Ruanda plant, den Zipline-Drohnenzustelldienst im Frühjahr 2017 auch auf die östliche Hälfte des Landes auszudehnen. Diese Erweiterung bedeutet, dass fast jeder der elf Millionen Bewohner des Landes Zugang zu einer sofortigen Lieferung lebensrettender Medikamente hätte.

„Die fehlende Möglichkeit, jenen Menschen lebensrettende Medikamente zu liefern, die sie am meisten brauchen, verursacht weltweit jedes Jahr Millionen von vermeidbaren Todesfällen. Zipline wird dieses Problem ein für alle Mal lösen helfen“, erklärte Zipline-CEO Keller Rinaudo. „Wir haben ein sofortiges Liefersystem für die Welt gebaut, sodass Medikamente sowohl auf Abruf als auch zu niedrigen Kosten überall hin geliefert werden können.“

Ruanda und darüber hinaus

Es wird erwartet, dass die kommerzielle Partnerschaft von Ruanda und Zipline in den nächsten drei Jahren Tausende von Menschenleben retten wird. Dieses Bestreben macht Ruanda weltweit führend wenn es darum geht, mithilfe modernster Technologien eine nicht vorhandene Straßeninfrastruktur zu überbrücken und seinen elf Millionen Bürgern dadurch einen innovativen Zugang zum Gesundheitswesen zu bieten.

Die Arbeit in Ruanda wird durch eine internationale Partnerschaft zwischen Zipline, UPS und der Impfstoff-Allianz Gavi unterstützt. Dank eines Zuschusses in der Höhe von 1,1 Mio. US-Dollar von der UPS Foundation wird die Partnerschaft die Drohnenzustellung von Blutkonserven in Ruanda eingehend analysieren, um das Land hinsichtlich der Erweiterung von Lieferungen weiterer Medikamente und lebensrettender Impfstoffe bestmöglich unterstützen zu können.

Aufbauend auf die Expertise von UPS im Bereich globale Supply Chain und Logistik, Gavis fundierten Kenntnissen bei öffentlicher Gesundheit und Impfstoffen sowie Ziplines innovativem Zugang bei Technologien der „letzten Meile“, hofft die Partnerschaft, am Beispiel Ruandas Erkenntnisse gewinnen zu können, die eine globale Expansion dieses lebensrettenden Services erlauben.

„Drohnen haben das Potenzial, die Art und Weise zu revolutionieren, wie wir abgelegene Gemeinden mit einer medizinischen Notfallversorgung erreichen können. Der Zeitgewinn bei der Lieferung von Blutprodukten oder auch Impfstoffen für jemanden, der etwa einer Tollwutinfektion ausgesetzt war, könnte über Leben und Tod entscheiden, sagte Dr. Seth Berkley, CEO der Impfstoff-Allianz Gavi. „Dieses Projekt wird auch als wichtiger Test dafür dienen, ob Drohnen ein gangbarer Weg sind, um weltweit die gezielte Versorgung mit Impfstoffen zu verbessern. Jedes Kind verdient eine Grundversorgung mit lebensrettenden Impfstoffen. Diese Technologie könnte ein wichtiger Schritt sein, um sicherzustellen, dass es diese bekommt.“

Das Logistik-Know-how sowie die Ressourcen von UPS sollen eine wichtige Rolle spielen, um der Partnerschaft zu helfen, den Aktionsradius dieser wichtigen Arbeit auszudehnen. Das Unternehmen konnte in Rekordzeit das gesamte Zipline-System in einem UPS-„Browntail“-Frachtflugzeug von Kalifornien nach Ruanda transportieren. Dies machte es möglich, das Zipline-Verteilerzentrum in nur vier Wochen aufzubauen.

„Einer der wichtigsten Schwerpunkte für die UPS Foundation ist es, öffentlich-private Partnerschaften anzuregen, um die Leistung von humanitärer Hilfe merklich effizienter zu gestalten“, so Eduardo Martinez, Präsident der UPS Foundation sowie Chief Diversity & Inclusion Officer bei UPS. „Hier können wir nicht nur Logistik vorantreiben, sondern auch mit Ruanda gemeinsam die Idee verwirklichen, durch angewandte Innovation Leben zu retten. Nun, da die ersten Einsätze mit lebensrettendem Blut geflogen werden, zählt unsere Partnerschaft zwischen der UPS Foundation, Gavi und Zipline am meisten. Wir werden im Auge behalten, was die Zukunft hinsichtlich anderer lebensrettender Waren, als auch für andere Teile der Welt bringt .“

Mit der Unterstützung durch die Partnerschaft mit UPS und Gavi plant Zipline, im Laufe des nächsten Jahre seine Drohnen-Zustelldienste in Ländern in Afrika und Lateinamerika zu erweitern. Darüber hinaus hat Zipline vor kurzem im Weißen Haus angekündigt, seine Dienste in den Vereinigten Staaten auszudehnen, um auch Reservate amerikanischer Ureinwohner in Maryland, Nevada und Washington State zu beliefern.

Quelle + Bildquelle: UPS

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