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Logistik mit mehr Wert

Logistik muss in erster Linie Werte für den Kunden schaffen. Dafür sollten Industrie- und Handelsunternehmen die Logistik jedoch nicht als Kostenfaktor, sondern als Wertbeitrag sehen. Anspruchsvolle Logistik erhöht den Produktwert in Form von Servicequalität. Wer diesen Wertbeitrag messen will, kann eine Logistikbilanz erstellen, rät Dr. Andreas Froschmayer, Corporate Director Corporate Development, Strategy & PR bei Dachser.

Die aktive Gestaltung der Logistik ist eine Management-Aufgabe, die viele Unternehmen bereits auf ihrer Agenda verankert haben. Wenn sie die gesamte Wertschöpfungskette mobilisieren, bedeutet das einerseits die Neu-Strukturierung von Transportnetzwerken, andererseits die Neu-Konfigurierung des gesamten Waren-, Informations- und Finanzflusses. Dabei geht es darum, die Aufgaben und Funktionen der Logistik in Industrie und Handel als auch die Leistungsangebote der Logistikdienstleister permanent zu erweitern und den neuen Flussmodellen der Logistik anzupassen.

Obwohl diese Entwicklungen im Management bekannt sind, werden Entscheidungen im Zusammenhang mit Logistik vielfach noch auf Basis der reinen Transportkosten getroffen. Aber: diese Kosten machen nur einen Bruchteil der gesamten logistischen Messgrößen aus. Der größte Nutzen der Logistik entsteht durch eine strukturierte Planung und Steuerung aller Güter und Informationen. Daraus wiederum resultiert eine Verbesserung der Leistungsqualität der Logistik in der Wahrnehmung der Absatzmärkte. Auf Basis dieser Erkenntnis wurde bereits vielfach versucht, die Performance logistischer Maßnahmen besser in ihrer Gesamtheit zu beurteilen. Daraus entstand die Idee der Logistik-Bilanz.

Die Logistik-Bilanz und die Unternehmensbilanz verbindet etwas Besonderes: Beide geben in konzentrierter Form ein ganzheitliches Bild über die Kapital- und Vermögensstruktur sowie den Erfolg des Unternehmens bzw. die Logistik des Unternehmens. Dabei zählt die Unternehmensbilanz zu den Klassikern des betriebswirtschaftlichen Instrumentariums. Die Logistik-Bilanz hingegen ist eine Innovation. Sie liefert wertvolle Informationen, die die gesetzliche Bilanzierungspraxis nicht geben kann.

Die Struktur der Logistik-Bilanz ist grundsätzlich angelehnt an eine „normale” Bilanzstruktur. Eine Buchhaltung, die in der Bilanz ihren Status manifestiert, soll nach §238 Handelsgesetzbuch „so beschaffen sein, dass sie einem sachverständigen Dritten innerhalb angemessener Zeit einen Überblick über die Geschäftsvorfälle und über die Lage des Unternehmens vermitteln kann.” Genauso soll also auch die Logistik-Bilanz den übergreifenden Einblick in die Logistik eines Unternehmens geben und sinnvolle Handlungen ableitbar machen. Wie bei einer herkömmlichen Bilanzstruktur sprechen wir daher auch von einer Passiv- und einer Aktiv-Seite.

Die Aktiv-Seite orientiert sich an dem Begriff der „Mittelverwendung”. In logistischem Sinne sind dies beispielsweise die mit den vorhandenen Ressourcen erstellten Anlagen für die Logistik, beispielsweise Lagergebäude, aber auch das mobile Equipment. Woher kommen nun die Mittel für Logistik? Zum einen aus eigenen Ressourcen. Im übertragenen Sinne stellt dies das Eigenkapital des Unternehmens für die Logistik dar. Zum anderen aus fremden Ressourcen, das heißt Leistungen und Kapital, die beispielsweise Logistikdienstleister für die Durchführung der Logistik einbringen. Die Mittelherkunft umfasst also alle Ressourcen und Fähigkeiten sowie die Kapitalkraft des Unternehmens, welche in die Logistik investiert werden.

Als Gewinn einer Logistik-Bilanz werden die resultierenden Effekte der Logistik betrachtet. Der Gewinn entsteht naturgemäß aus der Gegenüberstellung von Mittelherkunft (Input in die Logistik) und Mittelverwendung (Output aus der Logistikinvestition). Das Fremdkapital im übertragenen Sinne bildet den Logistik-Anteil, der nicht selbst von Industrie oder Handel erstellt, sondern von einem Logistikdienstleister eingebracht wird. Diese Logistik wird somit nicht aus eigener Kapitalkraft geleistet, sondern als Fremdleistung mit Hilfe des investierten Kapitals (Terminals, Warehouse-Fazilitäten) des Dienstleisters erbracht.

Eine Logistikbilanz eröffnet also wieder den Blick auf das Ganze, das wir zwischenzeitlich durch die vielen Einzeltechnologien des Digitalisierungshypes aus den Augen verloren haben. Der Wert einer logistischen Lösung entsteht deshalb durch die systemische Integration von physischer Transportlogistik, dem Einsatz von IT und innovativen Technologien sowie der intelligenten Planung und Steuerung durch Organisationen von Menschen.

Wenn wir zukünftig die Logistik nicht mehr als „Kostenproblem“ sondern als wertschaffende Logistik begreifen, sollte es uns möglich sein, die neuen Ideen aus der Digitalisierung zu nutzen und zu integrieren und daraus zukunftsfähige Logistiksysteme für Industrie und Handel zu gestalten und zu betreiben.

Quelle: Dachser

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