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Neue Akteure, Standardisierung und Digitalisierung für mehr Güterverkehr auf der Schiene

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Mehr Schienengüterverkehr ist ein entscheidender Faktor für den Klimaschutz, doch die Menge der per Bahn transportierten Güter geht in dem meisten EU-Ländern zurück. Welche Veränderungen es auf politischer und wirtschaftlicher Ebene braucht, um mehr Güter auf die Schiene zu bringen, hat das Fraunhofer ISI untersucht.

Im Projekt LowCarb-RFC untersuchen das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI und seine Projektpartner, wie europäische Güterverkehrskorridore langfristig kohlenstoff-neutral werden können.

Im Fokus stehen zwei Fragen:

1. Welche Auswirkungen hat die Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene für die betroffenen Regionen und ihre Verkehrssysteme?
2. Wie müssen die wesentlichen Institutionen reformiert werden, um den Wandel zu bewältigen?

Diese Fragen werden beispielhaft für zwei europäische Güterverkehrskorridore untersucht, die sich in Nordrhein-Westfalen kreuzen: Rhein-Alpen zwischen den Beneluxländern und Norditalien sowie Nordsee-Baltik von den Beneluxländern bis Polen. Das Projektteam wendet Modelle zur Verkehrssimulation und zur Nachhaltigkeitsbewertung an, untersucht institutionelle Reformprozesse innerhalb und außerhalb des Verkehrsbereichs und betreibt eine Plattform zum Wissens- und Erfahrungsaustausch mit den Versendern von Waren.

Der nun veröffentlichte Bericht »Myth or Possibility – Institutional Reforms and Change Management for Mode Shift in Freight Transport« analysiert das Zusammenwirken von Politikinstrumenten und Unternehmensstrategien, um die Wettbewerbsfähigkeit der Güterbahnen zu erhöhen. Die Autoren der Studie betonen, dass es zusätzlich zur Kapazitätserweiterung, Digitalisierung und Modernisierung der Bahnen unbedingt nötig sei, Organisationsstrukturen und Institutionen zu verändern. Die Erfahrung zeige jedoch, dass dies in großen Unternehmen oft erst durch massiven externen Druck und klare politische Rahmenbedingungen geschehe. Die Autoren gehen davon aus, dass die teilweise weitgehenden internen Reformprozesse der europäischen Bahnen nicht genügen, um deren Marktanteil im Güterverkehr wieder deutlich anzuheben.

Zunächst müsse neuen Akteuren – ob Bahnbetreibern oder Logistikunternehmen – der Zugang zum Markt ermöglicht werden. Durch die Konkurrenzsituation würde sich die Wettbewerbsfähigkeit der Bahnen gegenüber der Straße langfristig erhöhen, unter anderem durch die Besetzung von Nischen mit neuen Technologien und durch die Anwendung internetbasierter Geschäftsmodelle.

Dr. Claus Doll, Projektleiter vom Fraunhofer ISI, betont: »Marktnischen bieten neuen Bahnunternehmen die Möglichkeit, zu wachsen und sich langfristig zu bedeutenden Akteuren in nationalen oder internationalen Bahnmärkten zu entwickeln. Erfolgversprechende Konzepte sind vorausschauende Logistik, anwendungs- und ergebnisorientierte Produkt-Service-Systeme sowie horizontale Kooperation und Bündelung von Kompetenzen. Entsprechende Prozesse können auch innerhalb von etablierten Unternehmen stattfinden. Die Unternehmen müssen dabei nicht ihr ganzes Geschäftsmodell ändern, sondern können ihr Kerngeschäft weiter auf den traditionellen Transport von Gütern konzentrieren. Die erfolgreichsten Marktteilnehmer sind die, die solche neuen Konzepte als Ergänzung zum traditionellen Geschäftsmodell implementieren.«

Vor allem die Herausforderung der Digitalisierung könne aber nicht allein von neuen Akteuren bewältigt werden: Es brauche grundlegende Änderungen in den Betriebssystemen, die in Deutschland gegenwärtig in der Hand der Deutschen Bahn sind. Als wichtigste Innovationen nennt die Studie Automatisierung, Autonomes Fahren und Effizienzverbesserungen. Vor allem jedoch sei eine technische und organisatorische Standardisierung notwendig, beispielsweise die Vereinheitlichung der Verkehrssprache, der Stromversorgung und der Sicherheitssysteme im europäischen Eisenbahnraum. Dies würde den grenzüberschreitenden Verkehr deutlich erleichtern. Auch hier brauche es klare Vorgaben und Unterstützung durch Marktkräfte und politische Regulierung.

Quelle/Bildquelle: Fraunhofer ISI

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