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Militzer & Münch: Logistikmarktanalyse zur Belt and Road Initiative

Symbolbild: Terminal mit Arbeiter und Flugzeug

Die Militzer & Münch-Gruppe hat eine Analyse durchgeführt, die den Logistikmarkt entlang der neuen Seidenstraße beleuchtet. Ziel war es, mehr über die Entscheidungsprozesse bei Logistikprojekten in China herauszufinden und zu prüfen, welchen Anteil Logistikservices an der Belt and Road Initiative (BRI) haben. Ein zentrales Ergebnis: In China werden 80 Prozent der Logistikaufträge im Rahmen von BRI an chinesische Unternehmen vergeben.

Bei dem Projekt „BRI“, auch neue Seidenstraße genannt, investiert China massiv in den Auf- und Ausbau interkontinentaler Handels- und Infrastruktur-Netze zwischen Europa, Asien und Afrika. Aktuell wird das Gesamtinvestitionsvolumen auf rund 1,1 Billionen US-Dollar geschätzt. Für den Handel entlang der neuen Seidenstraße bedeutet das vor allem eins: Wachstum. Und an diesem Wachstum kann auch die Logistikbranche teilhaben. Zum einen können sich Logistiker beispielsweise mit dem Transport von Maschinen oder Bauteilen an Infrastrukturprojekten beteiligen. Zum anderen profitieren sie nach dem Infrastrukturausbau von der Steigerung der Transportmengen.

Ein Projektteam der Fachhochschule St. Gallen und der Universität Shanghai hat im Auftrag von Militzer & Münch für die Marktanalyse unter anderem zahlreiche persönliche Interviews in Shanghai sowie weitere Telefoninterviews mit Entscheidern aus der Logistikbranche geführt. „Die Zusammenarbeit mit der Hochschule St. Gallen und der Universität Shanghai bot einen idealen lokalen Ansatz, um intensiv in China zu recherchieren“, sagt Christoph Hollenstein, Head of Group Controlling der M&M Militzer & Münch International Holding AG und Verantwortlicher für die Analyse. „Es ist hilfreich, außerhalb der eigenen Strukturen und Netze zu denken – darum sind die Ergebnisse dieser Analyse sowohl für uns sehr interessant als auch für alle anderen Logistikunternehmen, die auf der Relation Europa – China aktiv sind.“

Militzer & Münch beobachtet eine Verschiebung der Entscheidungsträger im globalen Logistikmarkt. „Heute wird hauptsächlich in Europa und den USA über die Logistik entschieden“, sagt Dr. Lothar Thoma, CEO M&M Militzer & Münch International Holding AG. „In Zukunft wird dies vermehrt von China aus passieren, da große chinesische Unternehmen verstärkt den Weltmarkt erobern und ihre eigenen Supply Chains aufbauen.“

Auftragsvergaben an Logistiker in China

In China werden 80 Prozent der Logistikaufträge im Rahmen der Belt and Road Initiative an chinesische Unternehmen vergeben. „Chancen für europäische Logistikdienstleister in China selbst sind gering – sie bestehen vor allem in Ländern, in denen China noch nicht oder kaum aktiv ist“, sagt Dr. Lothar Thoma. „Wir nutzen diese Chance beispielsweise in Kasachstan und Zentralasien.“

Besonderheiten in China bei der Auftragsvergabe sind unter anderem eine zehnprozentige Anzahlung der Vertragssumme, die Überprüfung des Stammkapitals des Logistikers, die Größe des Unternehmens, der Preis der Dienstleistung und die Prüfung der Geschäftsberichte sowie der Bonität. Wichtig ist in China außerdem das Vertrauen in den Logistikdienstleister durch langjährige Beziehungen und Partnerschaften. Ausschlaggebend ist dabei unter anderem der Aufbau von Partnerschaften mit staatlichen Unternehmen in China oder chinesischen Unternehmen, die über Netzwerke mit staatlichen Unternehmen verfügen. Ebenfalls hilfreich beim Aufbau von Geschäftsbeziehungen ist die Beteiligung durch Dritte, zum Beispiel wenn chinesische Unternehmen ihre Logistik auslagern.

Investitionen in Projekte entlang von sechs BRI-Korridoren

Das Projektteam sammelte signifikante Daten über die vielversprechendsten Investitionsregionen entlang von sechs BRI-Korridoren und die Aufteilung der BRI Projekte. Als Grundlage ging das Team von Investitionen von 1,067 Billionen US-Dollar und 420 BRI-Projekten aus.

Das Projektteam analysierte sechs Korridore, die für die neue Seidenstraße wichtig sind:

  • Der neue eurasische Landbrücken-Wirtschaftskorridor gilt als der wichtigste Korridor. Dieser führt von China zu europäischen Ländern mit hohem BIP und großem Marktpotenzial. Hier wird vor allem der allgemeine Handel zwischen China und Europa sowie Kasachstan und China abgewickelt als auch Projektlogistik zwischen China und Kasachstan.
  • China-Zentralasien-Westasien-Wirtschaftskorridor
  • China-Mongolei-Russland-Wirtschaftskorridor
  • China-Pakistan-Wirtschaftskorridor
  • Bangladesch-China-Indien-Myanmar-Wirtschaftskorridor
  • China-Indochina-Peninsula-Wirtschaftskorridor

Ein zentrales Ergebnis: Der Mittlere Osten ist die Region mit den höchsten Investitionen – 43 Prozent werden hier dank BRI unter anderem in die Entwicklung der Infrastruktur gesteckt. 23 Prozent werden in Südostasien investiert und zwölf Prozent in Russland. Schlüssig ist dadurch auch das Ergebnis, dass die meisten Projekte unter BRI in diesen Regionen durchgeführt werden. An erster Stelle kommt Südostasien mit 27 Prozent, gefolgt von 21 Prozent in Südasien, 18 Prozent im Mittleren Osten und sieben Prozent in Russland.

Die meisten Projekte gelten dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur mit 59 Prozent. Die Energieinfrastruktur als zweitwichtigster Sektor umfasst 17 Prozent. Diesen beiden Bereichen kommen auch die höchsten Investitionsvolumen zu.

Quelle: Militzer & Münch, Bild: ©Aunging / Fotolia

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